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Filterstaub im Bergwerk

Kalikonzern füllt alte Schächte mit Resten französischer Müllverbrennung

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Die Kritik am Bergbaukonzern Kali und Salz (K+S) reißt nicht ab. Einerseits will der Konzern nach wie vor trotz Protesten von Umweltschützern und Anrainern Abfallsalz über eine Pipeline in die Werra entsorgen, andererseits wird zum sogenannten Bergversatz – der Verfüllung ausgebeuteter Schächte – giftiger Filterstaub eingesetzt.

Ist ein Bergwerk ausgebeutet, bleiben riesige Hohlräume zurück. Um nachfolgende Geländeabsenkungen zu verhindern, müssen diese hierzulande gefüllt werden. K+S verwendet dafür unter anderem giftige Rückstände aus einer nordfranzösischen Müllverbrennungsanlage. Umweltverbände schlagen vor, stattdessen die heute auf Halde lagernden Rückstände aus der Kaliproduktion zu verwenden. Rückendeckung für ihre Position bekamen sie nun vom französischen Verwaltungsgerichtshof, der die Transporte der Müllverbrennungsrückstände für ungesetzlich erklärte. Die Richter folgten der Argumentation des französischen Umweltministeriums und verschiedener Umweltverbände. Diese betonten, dass die vor Ort vorhandenen Rückstandshalden beim Bergversatz Vorrang vor den giftigen Rückständen aus der Müllverbrennung haben müssten. »Französisches Gericht stoppt Müllexport an die Werra«, titelte die »Südthüringischer Zeitung«.

»Die Entscheidung des französischen Gerichts war eine Einzelfallentscheidung. Sie hatte über den Einzelfall hinaus keine generelle Bindungswirkung, so dass nach wie vor Rückstände der Rauchgasreinigung aus Frankreich in Deutschland im Bergversatz verwertet werden dürfen und französische Behörden dazu die erforderlichen abfallrechtlichen Genehmigungen erteilen«, erklärte Ulrich Göbel gegenüber ND. Der Pressesprecher von K+S betonte, dass die praktizierte Verwertung von Abfällen im Einklang mit dem europäischen Recht stehe. Das gelte auch für die Ladung eines am 31. März 2010 auf der Bundesautobahn A4 in Thüringen zwischen Magdala und Mellingen verunglückten Gefahrguttransporters. Die Polizei hatte nach dem Unfall eine 50-Meter-Zone eingerichtet, in der sich niemand ohne Schutzanzug aufhalten durfte.

Das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr bestätigte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Thüringer Landtag, dass es sich bei der Ladung um Rückstände aus der französischen Müllverbrennung gehandelt hatte. Für Radioaktivitätsmessungen am Unfallort habe keine Veranlassung bestanden. Das Umweltamt des Landkreises Weimarer Land habe allerdings Bodenproben entnommen.

Die Kritiker von K+S sind auch in der Sommerpause nicht untätig. So werden sich die Landtagsfraktionen der LINKEN aus Hessen und Thüringen bei ihrer Sommertour am 23. August im thüringischen Heringen und Vacha mit der Salzeinleitung des Unternehmens in die Werra befassen.

Lexikon

Filterasche

Aus den Verbrennungsgasen von Kohlekraftwerken und Müllverbrennungsanlagen (MVA) werden die feinen Ascheteilchen meist mit elektrostatischen Filtern abgeschieden. Hauptbestandteile bei Kohle sind Silizium-, Kalzium- und Aluminium, Eisen- und Magnesiumoxid sowie Sulfate. Deshalb werden diese zum Teil als Betonzuschlagstoff verwendet. Daneben enthält auch die Filterasche von Kohlekraftwerken Schwermetalle wie Quecksilber. Bei MVA liegen die Konzentrationen giftiger Schwermetalle und Dioxine allerdings deutlich höher.

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