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Airbus fliegt auf Leiharbeiter

IG Metall kritisiert weltgrößten Flugzeugbauer

  • Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.

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Immer mehr deutsche Konzerne setzen auf Beschäftigte ohne feste Anstellung. Ein Vorreiter ist Airbus.

Jeder vierte Beschäftigte beim weltgrößten Flugzeugbauer Airbus, von der Reinigungskraft bis zum Ingenieur, gehört nicht zur Stammbelegschaft. Auf einer Kundgebung der IG Metall in Hamburg protestierten mehrere hundert Mitarbeiter von Airbus und Zulieferern am Mittwoch für eine Begrenzung der Leiharbeit. »Die Arbeitgeber wollen über die Leiharbeit eine neue Billiglohnlinie durchsetzen«, warnte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, auf der Kundgebung vor dem Werksgelände von Airbus.

Die IG Metall will Leiharbeit »fair gestalten« und akzeptiert eine Personalaufstockung bei Beschäftigungsspitzen »für einen begrenzten Zeitraum, nicht jahrelang«, so Jutta Blankau, Bezirksleiterin IG Metall Küste. Davon könne aber bei Airbus längst keine Rede mehr sein. »In Teilen sind Leiharbeiter sieben oder acht Jahre bei Airbus beschäftigt.«

Der Vorstand hält deren Einsatz dagegen für notwendig. Flugzeugbau sei eine »zyklische Industrie«, sagt ein Konzernsprecher. Man müsse sich »gegen Produktionsabschwünge sichern«. Die lange Verweildauer erklärt Airbus mit den Schwierigkeiten bei der Entwicklung seines Großraumfliegers. Für das »Aufholprogramm A380« wurden seit 2001 tausende Leiharbeiter angeheuert. Nun sollen 700 eine Festanstellung erhalten, andere entlassen werden: »Wir wollen die Leiharbeit weiter abbauen«, so der Konzernsprecher.

Bei Airbus ist der »L-Anteil« besonders hoch. Rund 4800 Leiharbeiter werken laut Firmenangaben für den Flugzeugbauer; 16 000 Beschäftigte gehören bundesweit zur Stammbelegschaft. Leiharbeiter erhalten dank der Tarifvereinbarung Siduflex (»Sicherheit durch Flexibilität«) bei Airbus den gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kollegen. Doch üppige Erfolgsprämien wie die Stammbelegschaft erhalten sie nicht und Betriebskindergärten bleiben für sie verschlossen, beanstandet Blankau. Außerdem befürchtet die IG Metall, dass durch die Ausweitung von Werkverträgen der Grundsatz »gleiche Arbeit – gleiches Geld« immer häufiger umgangen wird.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Johann Dahnken kritisiert, Airbus sei mit seiner Drei-Klassen-Gesellschaft aus Stamm, Leiharbeit und Werksvertrag auf einem riskanten Weg. Eingespielte Netzwerke würden zerrissen, Vertrauen und Motivation schwänden und die Zahl der heiklen Schnittstellen bei der Arbeit nehme zu. »Wirtschaftlich ist Leiharbeit nicht zu rechtfertigen«, sagt Dahnken.

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