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»Fußball zum Hören, Spüren und Riechen«

Union Berlins Sportdirektor Christian Beeck über Visionen, Kommerzialisierung und die Stadtduelle

Heute startet die 2. Bundesliga. Der 1. FC Union Berlin muss zum Auftakt bei Alemannia Aachen antreten. Mit Sportdirektor CHRISTIAN BEECK (Foto: imago), seit 2005 bei den Köpenickern im Amt, sprach für ND ALEXANDER LUDEWIG.

ND: Zweites Jahr Zweite Liga. Gibt es eine klare Zielvorgabe?
Beeck: Nein. Wir würden damit einen zu großen Druck aufbauen, weil wir jeden Tag in der Öffentlichkeit daran gemessen würden. Das wir die Klasse halten wollen, ist klar.

Insgesamt gibt es fünf Neuzugänge. Mit dem niederländischen Spielmacher Santi Kolk und dem algerischen Abwehrrecken Ahmed Madouni sind auch zwei namhafte dabei. Was zieht an Union?
Die Perspektive, die Atmosphäre im Stadion, dazu die Möglichkeiten der Stadt Berlin. Auch das Verhältnis zu den Leuten im Verein, von denen die Jungs wissen, dass wir selber Fußball gelebt haben, mal richtig grottig waren, aber mal auch richtig, richtig gut. Es ist nicht immer das Geld

Können Sie den Punkt der Perspektive konkreter benennen?
Erstens kann sich ein Spieler über Union für größere Vereine empfehlen. Zweitens auch mit Union mehr erreichen, als nur um den Klassenerhalt zu spielen.

Wie sieht denn die Perspektive des Vereins aus?
In der Zweiten Liga etablieren und wenn die Entwicklung weiter geht, und ein gutes, vor allem wirtschaftliches Fundament da ist, dann auch mal versuchen, oben mit dabei zu sein.

Sie schauen also schon auch Richtung Bundesliga.
Man muss sich natürlich Ziele setzen und wir brauchen ja alle unsere Träume, Visionen und Schätze im Kopf. Und so als strategischer Plan über allem, Union irgendwann in der Bundesliga zu sehen – das wäre schon geil.

Wo steht Union finanziell in der Zweiten Liga?
Im unteren Drittel, genauer kann ich es nicht sagen.

Wie kann man sich für Sponsoren interessanter machen?
Wir bieten noch Fußball der einfachsten und ehrlichsten Art, mit der Stehplatztribüne zum Beispiel. Und wir merken schon, dass viele genau darauf Bock haben und den Tartanbahn-Fußball nicht mögen. Bei uns gibt es Fußball pur: Hören, Spüren und Riechen. Als Sponsor müsste man also schon Fußballfan sein und das ganze Produkt Union Berlin lieben, so wie es ist.

Bei der Kommerzialisierung hält sich Union zurück. Der Stadionname zum Beispiel ist noch nicht verkauft.
Ob wir den Namen jemals vermarkten werden, werde nicht ich entscheiden. Für mich persönlich als Unioner ist es das Schönste, den Namen »Alte Försterei« behalten zu können. Es ist eine große Aufgabe, den Spagat zwischen Tradition und Kommerz zu schaffen. Tradition ist die Grundlage für alles, die Kommerzialisierung aber auch Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit.

In der Debatte um das Derby gegen Hertha BSC und die Entscheidung gegen das Olympiastadion fiel das Wort »heimatverbunden«. Sehen Sie Union als Köpenicker oder Gesamtberliner Verein?
Das können sich die Leute aussuchen. Wir sind in Köpenick zu Hause, wohnen aber auch in Berlin. Es wird überbewertet, jeder kann und darf hier sein, und ist herzlich willkommen.

Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball Verbandes, sieht mit dem Duell von Union und Hertha in einer Liga wieder einen Ost-West-Konflikt aufkommen.
Bei uns heißt es Ost gegen West, in München Blau gegen Rot, in Hamburg Kiez gegen Establishment. Wenn es so kommt, dann kommt es eben so. Ob das 20 Jahre nach der Wende noch sein muss? In München ist es nach 90 Jahren immer noch Blau gegen Rot, vielleicht ist es in 100 Jahren bei uns immer noch Ost gegen West. Ich gehe davon aus.

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