Steine auf dem Pfad der Tugend

Schonfrist zur Gewöhnung? Für die neue Linkspartei-Führung waren die vergangenen ersten 100 Tage ein Härtetest

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Gut besucht sind in diesen Wochen die Pressekonferenzen im Berliner Karl-Liebknecht-Haus. Normalerweise würde sich Gesine Lötzsch über das Interesse so vieler Medienleute an der LINKEN freuen. Doch sie weiß, was sie an diesem Montag erwartet. Sechs Punkte hat sie auf ihrem Zettel. Fünf Botschaften der Partei. Zur Rente mit 67, zu Regierungsplänen einer Steuervereinfachung, zu Hartz IV, zu den Folgen der Duisburger Loveparade, zur Laufzeit von Atomkraftwerken und, letzter Punkt, keine Botschaft, sondern Stellungnahme zu »Diskussionen im Landesverband Bayern«.

Die Journalisten interessieren sich nicht für die Meinung der LINKEN zur Rente mit 67. Die kennen sie schon. Sie wollen wissen, was die Parteivorsitzende zu den Vorwürfen des bayerischen Landesschatzmeisters zu sagen hat. Der hat gerade wieder einen Köder in das Haifischbecken geworfen, als das die Politik so gern beschrieben wird. Mit dem absehbaren Ergebnis: Das Wasser schäumt mächtig. Klaus Ernst habe von unkorrekt geführten Mitgliederkarteien profitiert, diesen gar seinen Aufstieg in die Spitzenfunktionen der Partei zu verdanken, heißt es. Ihm wohlgesinnte Kreisverbände seien bei Wahlparteitagen überrepräsentiert gewesen, heißt es. Darin zeige sich ein weiteres Mal des Parteivorsitzenden rücksichtsloser Hang zur Macht, heißt es.

Reihen in Unordnung

Schon weiß man nicht mehr genau, wer was behauptet hat, öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand. Wegen »unaufschiebbarer Termine« sagte Ernst kurzfristig eine Pressekonferenz ab; die S...


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