Werbung

Burka für die Kanzlerin

Dieter Hildebrandt

Dresche für Politiker in Berlin und München und eine Hommage an das Alter: Das neue Solo-Programm des Kabarettisten Dieter Hildebrandt ist bei seiner restlos ausverkauften Uraufführung am Dienstagabend stürmisch bejubelt worden. Das Publikum wollte ihn kaum gehen lassen. Immer wieder musste der Satiriker auf die Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft kommen, die er einst mitgegründet hatte.    

Zuvor hatte er in seinem mehr als zweistündigen Programm »Ich kann doch auch nichts dafür« zum Besten gegeben, was ihm zum politischen Zeitgeschehen so einfällt. Von Altermilde war bei dem ehemaligen »Scheibenwischer«-Mit- glied keine Spur: Bissig und scharfzüngig wie eh und je kamen Themen wie Google Street View, die Wehrpflicht- Diskussion, der Türkei-Beitritt zur EU und der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auf den Tisch. »Das ist in Bayern kein Missbrauch, das ist Brauch.« Und zur Banken- und Finanzkrise, die letztendlich der Steuerzahler ausbaden muss, sagte Hildebrandt: »Wenn ich die öffentliche Hand nicht sehen kann, ist sie dann schon wieder in meiner Tasche?«

Politiker von Union und FDP waren es, die vor allem ihr Fett weg bekamen: Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sei nicht mehr als »eine Tüte Juckpulver« und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) »nie einer Meinung, sondern immer einer anderen auch«. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) riet er außerdem: »Wenn jemand in ihrer Nähe dringend zurücktreten sollte, dann ist es ihr Kostümberater.« Er empfahl der Kanzlerin eine Burka.

Ganz besonders deutliche Worte fand der wohl bekannteste politische Kabarettist in Deutschland für die Fernsehlandschaft – und die ARD, in deren Programm der »Scheibenwischer« lief, bis Erfinder Hildebrandt dem Sender den Titel entzog. »Die ARD macht sich in jede Hose, die man ihr hinhält. Und die Privaten senden das, was drin ist.« Bis Ende Oktober sind alle Auftritte von Hildebrandt in der Lach- und Schießgesellschaft bereits ausverkauft. dpa

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln