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Entbehrlich

Sylvester Stallone: The Expendables

  • Von Alexandra Exter
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Tage von Rocky und Rambo sind vorbei. Weil es aber auch alten Leinwandkämpen schwerfällt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen, die verdienten Millionen zu genießen und sich über ein Mindestmaß an zurückgewonnener Anonymität zu freuen, präsentiert sich Action-Star Sylvester Stallone nun mit einem neuen Testosteronspektakel, das er auch wieder selbst inszeniert hat (Foto: Verleih). Als wäre »Rambo 4« vor zwei Jahren nicht schon schlimm genug gewesen.

»The Expendables« ist eine Söldnergeschichte, die ein paar Veteranen des Action-Genres zu einem Gefecht versammelt, das, wenn das Beispiel ihres Regisseurs denn Schule macht, bestimmt nicht ihr letztes bleiben wird: Jason Statham, Dolph Lundgren, Jet Li (mit unerwartet elegantem englischem Haarschnitt), Mickey Rourke als alt gewordener Kämpe und Tätowierer mit Tatterich, dazu ein Kurzauftritt von Bruce Willis als zwielichtigem, aber sichtlich vergnügtem Auftraggeber mit dem vage blasphemischen Decknamen Kirche. Und Arnold Schwarzenegger, Arni Kalifornien persönlich, der auf den Killer-Auftrag dankend verzichtet, denn: »Er will Präsident werden«. Genau.

Stallones Film ist so etwas wie die Action-Variante von Eastwoods »Space Cowboys« oder von Mario Adorf und Co. im »Großen Bellheim«, nur lauter, explosiver und erheblich würdeloser, von den vielen Todesopfern ganz zu schweigen. Stallone und seine Mannen bilden eine Söldnertruppe, die anscheinend von so ziemlich jedem für jede Art von Lynchjustiz anzuheuern ist. Ihr jüngster Auftrag führt sie in eine Bananenrepublik irgendwo zwischen Kuba und Operette. Dort gilt es, einen korrupten General mit Bauch, Schnurrbart und einer bildschönen Tochter zu eliminieren, die wohl die einzige aktive Opposition gegen sein Regime darstellt. Denn der geldgierige General hat sich an einen fiesen US-Drogenbonzen mit Silbertolle à la Sky Dumont und Zähnen wie ein Hai verkauft (Eric Roberts).

Das Zelebrieren von Lynchjustiz als so besonders männlichem Sport ist das durchgängige Thema von »The Expendables«, angefangen bei der Massenexekution somalischer Piraten, die zu Filmbeginn sozusagen die Visitenkarte der Truppe abgibt, mit der sie sich dem Zuschauer in all ihrer kämpferischen Kameraderie vorstellt, über die deftige Keile, die ein einheimischer Frauenverprügler samt basketballspielender Kohorte bezieht, der sich ausgerechnet an der Ex eines der Kämpen vergriff, bis hin zur flächendeckenden Schlachtung uniformierter Latinos im Zielland des zentralen Auftrags, bei der zivile »Kollateralschäden« jederzeit billigend in Kauf genommen werden.

Etwa mittig im Film hat Mickey Rourke die einzig wirklich anrührende Szene. Die ist nach etwa vier Minuten vorüber, danach beginnt das ernsthafte Ballern. Und der Film zerpliesert zusehends in eine lose Folge von kumpelhaftem Schlagabtausch, Sprengstoffanschlägen und Folterszenen – am einzig greifbaren Opfer, dem mit wogendem Busen natürlich, der besseren Schauwerte wegen.

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