Werbung

Wo der Hauswart Demenzkranken hilft

Vor einem Jahr wurden in Berlin Pflegestützpunkte gegründet / 36 Einrichtungen bis 2011 geplant

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wer im Berliner Bezirk Lichtenberg Rat zur Pflege von Familienmitgliedern sucht, ist in einer Parterrewohnung im Haus Weißenseer Weg 6 gut aufgehoben. Dort haben sich die Sozialarbeiterinnen des bezirklichen Pflegestützpunktes eingerichtet. Seit einem Jahr gibt es diese Beratungsstellen in der Hauptstadt, hervorgegangen aus den Koordinierungsstellen »Rund ums Alter«. ND wollte wissen: Wie wurde die im September 2009 eröffnete Neuerung angenommen?

»Die meisten Ratsuchenden sind weiterhin ältere Menschen«, berichtet Veronika Vahrenhorst, Leiterin des Lichtenberger Stützpunktes, über ihre Erfahrungen. »Aber nach der Umstrukturierung kommen auch immer mehr junge Menschen zu uns, die sich beraten lassen, wie sie pflegebedürftige Angehörige unterstützen können«, so Vahrenhorst.

»Nach langer Diskussion beschloss der Bundestag im März 2008 die Reform der Pflegeversicherung«, erinnert Anja Wollny, Sprecherin von Sozialsenatorin Carola Bluhm (LINKE). Mit der Einrichtung der Pflegestützpunkte sollten neue Schwerpunkte in der Sozialpolitik gesetzt werden, die bis dahin existierenden Koordinierungsstellen »Rund ums Alter« verschwanden.

Ein Unterschied zu den alten Einrichtungen: Pflegestützpunkte sind nach Auskunft der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales nicht nur für Senioren da, sondern auch für junge Menschen und deren Familien, die Hilfe benötigen. Selbstverständlich seien auch Migranten einbezogen. Insbesondere sei die Beratung von pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen und deren Angehörigen sowie gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften hinzugekommen. Hier werde mit den Beratungsstellen der schwul-lesbischen Community zusammengearbeitet.

»Wir haben in Lichtenberg noch eine Besonderheit«, erzählt Projektleiterin Vahrenhorst. »Bei uns wurde eine demenzfreundliche Kommune geschaffen.« Mitarbeiter von Wohnungsunternehmen werden zum Krankheitsbild und Umgang mit Demenz geschult. So könne beispielsweise der Hauswart im Wohngebiet einem Demenzkranken gut helfen, weil er durch die Weiterbildung besser auf ihn eingehen könne.

Eingerichtet wurden die Stützpunkte vom Land Berlin sowie den Pflege- und Krankenkassen. Bislang gibt es in den Bezirken 26 dieser Pflegestützpunkte, bis Ende 2011 sollen es 36 sein, gab die Senatsverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Jasenka Villbrandt bekannt. Vorteile gegenüber den früheren Einrichtungen? Zum Beispiel eine engere Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für interkulturelle Öffnung der Altenhilfe in Friedrichshain. Auf diese Weise erhofft man sich eine »Sensibilisierung im Umgang mit Migrantinnen und Migranten«.

Eine der wichtigsten Neuerungen sei die geregelte Pflegeberatung, die von den Kassen angeboten werde. Voraussetzung: die Ratsuchenden müssen gesetzlich krankenversichert sein und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch XI erhalten. Darin ist die Pflegeversicherung geregelt. Persönliche Beratungen in den Stützpunkten gibt es von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern. »Wir arbeiten mit drei Sozialarbeiterinnen und einer Verwaltungskraft«, so die Lichtenberger Projektleiterin. Hausbesuche werden ebenfalls angeboten und Tipps zum Umbau in eine behindertengerechte Wohnung gegeben. Auch über die Finanzierung wie Zuschüsse der Pflegekassen wird beraten.

Die am häufigst gestellten Fragen: Wie bekomme ich eine Pflegestufe? Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis? Wer hilft mir, wenn ich den Haushalt nicht mehr allein bewältigen kann?

Sozialsenatorin Carola Bluhm: »Jeder kann in der Nähe seines Wohnortes unabhängige und unentgeltliche Hilfe zu allen Fragen rund um die Pflege und rund ums Alter finden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir das geschafft haben. Der große Zuspruch, den die Pflegestützpunkte haben, zeigt, dass wir mit diesem Angebot genau richtig liegen.«

  • Bis Ende 2011 soll es in Berlin je einen Stützpunkt für 95 000 Einwohner geben.
  • Für eine telefonische Beratung sind die Pflegestützpunkte montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr über die zentrale kostenlose Nummer 0800/ 5 95 00 59 erreichbar
  • Stützpunkte gibt es bislang in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Neukölln, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick
  • Sprechstunden der Pflegestützpunkte für persönliche Beratung: dienstags von 9 bis 15 Uhr, donnerstags von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung
  • Internet-Informationen: www.pflegestuetzpunkteberlin.de
  • Demenzfreundliche Kommune Lichtenberg: Geriatrisch-Gerontopsychiatrischer Verbund (GGV); Internet: www.ggv-lichtenberg.de
  • Kompetenzzentrum Interkulturelle Öffnung für ältere Zuwanderinnen und Zuwanderer: Simplonstr. 27, Friedrichshain, Tel. 3 19 09 16 30; www.kom-zen.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!