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Energie oder nur heißer Sand?

Weitere Unternehmen engagieren sich für Wüstenstromprojekt Desertec

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Nach einer großen Mediendebatte im vergangenen Jahr war es still geworden um Desertec. Es schien, als sei das ambitionierte das Wüstenstromprojekt bereits im Sand verlaufen. Doch längst gibt es Verhandlungen vor Ort und weitere Unternehmen sind eingestiegen.

»Die Weltenergieversorgung umzustellen, das schaffen nicht einzelne mit ein paar Solarzellen auf dem Balkon. Die großen Konzerne müssen mitziehen«, sagte einst der deutsche Physiker Gerhard Knies. Vor gut einem Jahr nahmen ihn zwölf Unternehmen beim Wort und gründeten unter Vermittlung des Club of Rome das Wüstenstromprojekt Desertec. Von Anfang an dabei: der Versicherer Münchener Rück, die Deutsche Bank, die Energieversorger E.on und RWE sowie die Elektrokonzerne Siemens und ABB. Das Ziel: Bis 2050 sollen Wind- und Sonnenenergie aus Nordafrika und dem Nahen Osten 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken und zugleich die Erzeugerländer mit Strom versorgen. Laut Münchener Rück kommen die Verhandlungen mit den nordafrikanischen Ländern gut voran. »Wir sind heute weiter, als wir je gedacht haben«, bestätigt Desertec-Projektleiter Paul van Son.

Aus den 12 beteiligten Unternehmen sind inzwischen 35 geworden. In spätestens zwei Jahren soll der Spatenstich für eine erste Versuchsanlage in Marokko erfolgen. Geplant ist ein Park mit mehreren Parabolrinnenkraftwerken und einer Leistung von 500 bis 1000 Megawatt. Diese Solarwärmetechnologie eignet sich besonders für große Kraftwerke in Ländern mit wenig Wolkenbedeckung. Von Marokko besteht bereits eine Hochspannungsgleichstromleitung nach Spanien, über die der Wüstenstrom der Versuchsanlage nach Europa geleitet werden kann.

Der Knackpunkt liegt nach wie vor bei der Finanzierung. Bis zum Jahr 2050 werden die Kosten des Megaprojekts auf rund 400 Milliarden Euro veranschlagt. Allein aus dem Stromverkauf lässt sich eine solche Summe nicht schultern. Zumal die Kosten für Solarenergie immer noch deutlich höher liegen als für konventionellen Strom. Zudem verteuert sich der Strom, da er über weite Strecken transportiert werden muss.

Daher wird Desertec zunächst auf staatliche Subventionen und Anreizprogramme für Investoren angewiesen sein. Steigende Ölpreise und Umweltkosten sollten diese langfristig überflüssig machen. Paul van Son ist überzeugt, dass sich Investoren finden werden, sobald die Rahmenbedingungen stimmen. Kritisch sieht man bei der Desertec Industrial Initiative bisher das geplante Energiekonzept der Bundesregierung – da taucht das Wüstenstromprojekt gar nicht auf. Mitte August sandte Paul van Son daher ein Schreiben an die Kabinettsmitglieder und an Topmanager deutscher Konzerne. Darin warnte er, dass Deutschland ökonomische Chancen verspiele, wenn das Projekt nicht engagierter unterstützt würde. Französische Unternehmen stehen mit dem Projekt Transgreen unter der Leitung des staatlichen Energiekonzerns EDF bereits in den Startlöchern.

Allerdings bereitet die Vorstellung, dass politisch unsichere Staaten in Afrika und im Nahen Osten über Europas Energieversorgung entscheiden, so manchem Kritiker Kopfschmerzen. Andere sehen das Mammutprojekt skeptisch, weil es die konzerndominierte Energieversorgung fortschreibt und dezentrale Versorgung behindern könnte.

Bis der Wüstenstrom fließen kann, sind also noch einige Fragen zu beantworten. Vor allem ist Fingerspitzengefühl gefragt. Eine neue Form des Energie-Kolonialismus dürfte in den Staaten Nordafrikas für wenig Begeisterung sorgen.


Höchstspannung

Für die Übertragung hoher Leistungen über lange Strecken muss wegen des elektrischen Widerstands der Kabel der Strom mit möglichst geringer Stromstärke und entsprechend hoher Spannung eingespeist werden. Im Höchstspannungsbereich sind in Europa 220 bis 380 Kilovolt (kV) üblich. Bei langen Seekabeln, wie sie für das Desertec-Projekt nötig sind, würde der bei Freileitungen verwendete Wechselstrom zu hohe Leitungsverluste haben, weshalb man hier aufwendig Gleichspannung erzeugen muss. Dabei können bei Spannungen von 800 kV 5000 Megawatt über mehr als 1000 Kilometer geleitet werden.

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