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Ärzte fordern Abbau von Kernwaffen

IPPNW-Weltkongress warnt vor atomarer Gefährdung und neuen Risiken durch gobale Krise

  • Von Harald Neuber, Basel
  • Lesedauer: 2 Min.
Mit der nachdrücklichen Forderung nach Abschaffung aller Atomwaffen ist im schweizerischen Basel am Sonntag die 19. Weltkonferenz der Ärzte- und Friedensorganisation IPPNW zu Ende gegangen.

65 Jahre nach dem ersten und bislang einzigen Einsatz dieser Masselvernichtungswaffen durch die USA in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki warnten die Teilnehmer des IPPNW-Kongresses vor einer neuen atomaren Gefahr. »Würde es sich bei Nuklearwaffen um einen tödlichen Virus handeln, so würden die Nationen weltweit weder Kosten noch Mühen scheuen, es aufzuhalten und auszurotten«, heißt es in einer Erklärung zum Abschluss des weltweiten Treffens der »Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung«. Fünf Tage lang hatten über 800 Mitglieder die Koordinierung des Kampfes gegen die atomare Bedrohung beraten – ohne Fatalismus: »Noch nie wurde so viel über die Abschaffung von Nuklearwaffen diskutiert wie zurzeit«, betonte etwa Steves Staples vom Rideau-Institut gegenüber ND. USA-Präsident Barack Obama habe das Thema bei seiner Prag-Rede im Vorjahr angesprochen, auch in Sachen Atomwaffensperrvertrag habe es gewisse Fortschritte gegeben.

Während der kanadische Wissenschaftler und Buchautor in der aktuellen Weltwirtschaftskrise Chancen für eine fortschreitende Abrüstung sieht, weil der Unterhalt der Atomwaffen enorme Summen verschlingt, wiesen andere auf deren Gefahren hin. »Der Neoliberalismus hat die globale Krise zwar verursacht«, sagte der indische Politikwissenschaftler Achin Vanaik von der Dehli-Universität, den Kapitalismus bedrohe er aber nicht. Vanaik verwies auf derzeit 50 000 US-Militärbasen weltweit. Der IPPNW riet er, den Kampf gegen Atomwaffen und Militarisierung mit dem Einsatz für Gerechtigkeit zu verbinden. Das Weltsozialforum sei dabei ein Bündnispartner.

Die Debatte um die Auswirkung der globalen Krise für Krieg und Frieden beschäftigte den Kongress bis zum Schlusstag. Bei kleineren Länderdelegationen gab es Bedenken, während etwa die personell gut aufgestellte deutsche IPPNW-Sektion für eine solche Erweiterung von Programm und Arbeit eintrat.

In Basel traten vor allem Vertreter südlicher Staaten für eine politische Analyse der Militarisierung und eine Erweiterung der Themenpalette ein, mit denen sich die Organisation befasst. Es gebe verschiedene Konfliktherde und Erscheinungsformen der globalen Krise, sagte der IPPNW-Vertreter und ehemalige Botschafter Nicaraguas in Washington, Antonio Jarquín, gegenüber ND. Das mache die aktuelle Problemlage noch sehr viel gefährlicher als die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Gerade Lateinamerika erlebe derzeit eine massive Militarisierung durch die USA, auch Europa sei vor dieser Entwicklung nicht gefeit. »Ich gehe davon aus, dass die kommenden Konflikte in Asien rasch auf Europa übergreifen können.« Der Kampf gegen die Krise sei »untrennbar vom Kampf gegen die Militarisierung und die Atomwaffen als deren perverseste Form«.

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