Mit Mönchen, Musik und Räucherkegeln zur Erleuchtung

Ein Team aus Wuppertal will seine Spiele zum Erlebnis aller Sinne machen

Kino im Kopf – das ist die Vision eines neuen Spielkonzepts aus Wuppertal. Das Team »LudoArt« will räumlich-sinnliche Gesamterlebnisse kreieren: Während sich die Kandidaten ihren Aufgaben stellen, sollen sie gleichzeitig schmeichelnden Klängen lauschen und von exotischen Düften umweht werden. »LudoArt«-Verlagschef FRANK CZARNETZKI (43) erklärt seine Spiele-Philosophie dem ND-Autor RENÉ GRALLA.
Frank Czarnetzki am Brett seines Spiels »ShenShi«
Frank Czarnetzki am Brett seines Spiels »ShenShi«
ND: Wir dachten immer, in der Pagode wird bloß gebetet. Ihr Spiel »ShenShi« verwandelt den heiligen Ort in eine Arena der Asketen. Wie funktioniert das?
Czarnetzki: Sie bewegen Mönchsfiguren über die Planquadrate eines Brettes, um andere Ordensmänner bei der Meditation abzulösen. Gelingt das, wird Ihnen ein Punkt gutgeschrieben, der sogenannte »Pfad« nach dem Kanon des »ShenShi«. Wer den achtfachen Pfad geschafft hat, ist zur Erleuchtung gelangt und beendet die Partie als Sieger. Eine besondere Feinheit: Das Brett symbolisiert die Tempelhalle, und weil die Mönche den geweihten Boden nicht ungebührlich mit ihren Füßen berühren dürfen, benötigen sie schwebende Meditationskissen, um voranzukommen. Die konkreten Bewegungen der Miniaturen sind übrigens den horizontalen und vertikalen Zügen von Türmen im Schach entlehnt.

Sie führen die Spieler also zu einem überraschenden Mix aus Strategie und Spiritualität.
Trotzdem sind in Sachen Buddhismus keinerlei Vorkenntnisse erforderlich. Entscheidend ist allein, wie geschickt Sie Ihre Mönche führen.

Nun der Clou: Wenn man die Box von »ShenShi« öffnet, findet man auch eine CD und ein paar Räucherkegel.
Nicht nur die Augen sollen genießen, alle Sinne möchte ich anregen. Deshalb finden Sie in jeder Packung einen Soundtrack, der Sie akustisch nach Asien reisen lässt, und Wohlgerüche machen die kleine Auszeit perfekt.

Ist das Ihre Antwort auf die emporkommenden allgegenwärtigen Computerspiele, die dominiert werden von perfekter, aber kalter Grafik?
Jein. Ich habe gar nichts gegen Gaming an Konsole oder PC. Meine Edition sehe ich als Ergänzung an: Das ist eine Einladung an Nichtspieler – sprich Erwachsene –, sich wieder auf das Abenteuer Spiel einzulassen. Eigentlich sind doch auch wir Erwachsenen große Kinder geblieben, aber wir brauchen eben bestimmte Anreize, um in andere fantastische Welten einzutauchen.

Eines Ihrer nächsten Projekte ist, den japanischen Ringkampf »Sumo« als Wettkampf aufs Brett zu bringen.
Zwei bis sechs Teilnehmer duellieren sich und können gleichzeitig zocken, weil der Rest der Gruppe, wenn sich gerade ein Paar misst, auf den Ausgang des Kräfteringens setzen darf. Außerdem wird die Spielmechanik auch Tricks und Mauscheleien in den Hinterzimmern berücksichtigen, das kommt der Sumoszene im richtigen Leben ziemlich nahe. Mehr möchte ich vorab nicht verraten.

Ein gewisser Hang zu Asien ist bei Ihren Spielideen aber unverkennbar.
Schon als kleiner Junge hat mich der Ferne Osten fasziniert. Deswegen trainiere ich auch seit zwölf Jahren den japanischen Kampfsport Aikido.

Welches ist Ihr Motto auf der Matte?
»Nur weil die Scheibe eine Mitte hat, kann sie sich drehen.« Finden Sie die Mitte nicht, wird die Scheibe unrund eiern. Das gilt im übertragenen Sinn auch für den Geist. Je ruhiger Sie sind, desto genauer nehmen Sie Bewegungen wahr – und können anschließend zielgerichtet agieren.

"ShenShi" für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren; Verlag: LudoArt; Sonderpreis im Monat September 2010: 49, 80 Euro (sonst: ca. 65 Euro); weitere Infos: www.ludoartshop.com

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