Aufspringen auf einen fahrenden Zug

Stuttgart 21: Parteien versuchen jetzt, lange gepflegte Distanz zu Protestierern zu überwinden

  • Von Gesine Kulcke, Stuttgart
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Die Proteste gegen den Abriss des Stuttgarter Bahnhofs geraten in den Sog von Parteieninteressen. Der überraschende Vorstoß der SPD für einen Bürgerentscheid – wenn auch zur Erhöhung der Akzeptanz der Umbaupläne – ist nur das jüngste Kapitel. Auch CDU und Grüne suchen ihren Vorteil.

Schwarz und Grün kommen sich näher. Ministerpräsident Stefan Mappus und der Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann laden gemeinsam zu einem Runden Tisch. Versprochen ist die Lösungssuche für Stuttgart 21 ohne Vorbedingungen.

Gangolf Stocker kann das nicht verstehen. Was, fragt er sich, verspricht sich Kretschmann von der Aktion? »Vielleicht eine Koalition nach der Landtagswahl?« Der Stadtrat vom Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) ist misstrauisch geworden. Seit 15 Jahren kritisiert er, dass keine Alternativen zum Mammut-Bahnhofsprojekt geprüft worden sind. Vor 14 Jahren gründete er die Initiative »Leben in Stuttgart – kein Stuttgart 21« und 1997; gleich nachdem die Architekturbüros Ingenhoven, Overdiek und Partner mit ihrem Entwurf für den Tiefbahnhof gefeiert wurden, entwickelte er mit dem BUND und dem Verkehrsclub Deutschland ein Alternativkonzept, das lange nicht beachtet wurde. Auch von vielen, die heute lieber eine...

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