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Im Zentrum der Schaalsee

Seit zehn Jahren ist die Region um Norddeutschlands tiefsten See ein UNESCO-Biosphärenreservat

  • Von Grit Büttner, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Als am 12. September 1990 das Nationalparkprogramm der DDR bedeutende Naturschätze im Osten sicherte, war der neu gebildete Naturpark Schaalsee an der innerdeutschen Grenze noch unbekanntes Niemandsland. Seit zehn Jahren ist die Gegend ein UNESCO-Biosphärenreservat.

Zarrentin. Rotglühend geht die Sonne über dem Schaalsee an der Landesgrenze von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf. »Gleich wird's wärmer«, hofft Fischer Martin Riedl aus Zarrentin (Kreis Ludwigslust). Nur der Schrei des Kranichs und hungrige Möwen begleiten sein Boot, mit dem er zwei Stunden schon allein auf dem 24 Quadratkilometer großen See die Stellnetze leert. Seit zehn Jahren als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt, zieht die einst unbekannte Wildnis um Norddeutschlands tiefstes Gewässer Besucher, Firmen wie auch neue Bewohner aus dem ganzen Bundesgebiet an.

»Die Natur ist das Kapital, das es zu erhalten gilt«, sagt Klaus Jarmatz, Amtsleiter des Biosphärenreservates. Das Areal umfasst 309 Quadratkilometer in Mecklenburg mit dem Ostteil des bis zu 72 Meter tiefen Schaalsees im Zentrum. Ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet sei am Widerstand im Westen gescheitert. Ein Fehler, meint Jarmatz bis heute. »Das Reservat ist kein Naturschutzgebiet und kein Museum, sondern eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung.« Nur 5,5 Prozent des Gebietes gehörten zur Kernzone, die ganz sich selbst überlassen werde. Insgesamt 25 Prozent seien Schutzgebiete, weit mehr als die Hälfte des Reservats aber Ackerflächen, weitere 17 Prozent Grünland.

»Wir haben gute Böden und eine hochproduktive Landwirtschaft«, sagt der Reservatchef. Längst nicht alles sei Bio – mit acht Prozent liege der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen noch unter den durchschnittlich 9,1 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. »Eine konkurrenzfähige nachhaltige Landwirtschaft muss nicht im Widerspruch zu einer reichhaltigen Naturausstattung stehen«, betont Jarmatz. Neue Methoden wie die sogenannte Injektionsdüngung sparten Chemie auf dem Feld. Wiedervernässte Moore und renaturierte Fließgewässer kühlten die Natur – dies seien erste Antworten aus dem Reservat auf den Klimawandel und inzwischen ein Exportschlager.

Das mit nur 9500 Einwohnern dünn besiedelte Biosphärenreservat registriert Zuzüge von Familien und Unternehmen, vor allem aber lockt die unverbaute Landschaft Touristen. Mehr als 30 000 Besucher zähle allein das Informationszentrum Pahlhuus in Zarrentin jedes Jahr, so Amtsleiter Jarmatz. Insgesamt kommen 85 Prozent der Urlauber im Nordosten wegen der einmaligen Natur nach Mecklenburg-Vorpommern, wie der Landestourismusverband Rostock nach Umfragen bestätigt.

Während das Schaalseegebiet an der ehemaligen innerdeutschen Grenze noch vor 20 Jahren kaum Infrastruktur hatte, gibt es jetzt im Biosphärenreservat an die 400 Kilometer ausgeschilderte Wander- und Radwege, 30 Informationstafeln, vier Beobachtungstürme, Karten und Ranger für geführte Besuchertouren. Allerdings hielten sich die Gemeinden stark zurück, bedauert Jarmatz. »Die Pflege der Wege läuft nicht«, kritisiert der Reservatchef. Auch neue Routen würden nicht entstehen. So fehle noch immer ein Nord-Süd-Radweg am Ostufer für eine vollständige Rundtour um den Schaalsee.

Zugleich gebe es ein großes Engagement der Wirtschaft, lobt Jarmatz. Fast 80 Unternehmen – Produzenten, Dienstleister, Touristiker – nutzten bereits die Regionalmarke »Biosphärenreservat Schaalsee – Für Leib und Seele« und machten damit das Gebiet bundesweit bekannt, sagt Gerd Schriefer, Geschäftsführer des Schaalsee-Fördervereins. Auch die Fischer sehen das UNESCO-Reservat als zusätzliches Lockmittel für Touristen und Kunden, so Chefin Diana Rehbohm. Nahezu ungestört tummle sich aber auch der geschützte Kormoran am See und fresse die Fischernetze leer. So tuckert Martin Riedl an diesem klaren Septembermorgen wieder nur mit kleinem Fang nach Zarrentin zurück.

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