Werbung

Schöpfung im Experiment

Physik an den Grenzen der Raumzeit

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die bekannteste Theorie über die Geschichte und Entwicklung des Universums nimmt ihren Ausgang in einer kosmologischen Singularität, die man kurz »Urknall« nennt. Dafür, dass ein solcher vor rund 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden hat, gibt es nach einem Wort von Physik-Nobelpreisträger Steven Weinberg »eindrucksvolle Anhaltspunkte«. Nun jedoch wollen Physiker mehr. Am Large Hadron Collider (LHC) des europäischen Kernforschungszentrums CERN bei Genf wollen sie dem Urknall in einem höchst aufwendigen und teuren Experiment bis auf wenige Millionstel Sekunden nahe kommen.

Der Berliner Astronom und Wissenschaftshistoriker Dieter B. Herrmann hat aus diesem Grund sein neues Buch »Urknall im Labor« betitelt. Darin informiert er seine Leser ebenso gründlich wie verständlich über die Hintergründe des LHC-Experiments, welches für die künftige Physik von maßgeblicher Bedeutung sein dürfte. »Wenn wir mit dem LHC nichts finden«, erklärte der frühere CERN-Generaldirektor Robert Aymar, »wird sich die gesamte Elementarteilchenphysik davon nicht wieder erholen.«

Für Herrmann wäre das Scheitern des LHC-Experiments jedoch kein Malheur. Denn während andere Wissenschaftler weiter verbissen nach einer alles erklärenden »Weltformel« suchen, hält er die Physik für ein allzeit offenes Unternehmen: »Die heutzutage oft zitierten letzten Rätsel der Physik sind wahrscheinlich eine Illusion. Ihnen werden weitere folgen.« Eingedenk der erschöpften Möglichkeiten des Reduktionismus sieht Herrmann in der Emergenz bzw. »Übersummativität« das entscheidende Denkmodell der Zukunft. Danach sind die Eigenschaften und Gesetze eines komplexen Systems nicht auf die Eigenschaften und Gesetze seiner Bestandteile zurückzuführen. Hier liegt, wenn man so will, eine zeitgemäße Anwendung dessen, was Friedrich Engels vormals als Naturdialektik bezeichnet hat.

In seinem Buch gibt Herrmann auch einen Überblick über die internationale Entwicklung der Teilchenbeschleuniger und setzt sich kritisch mit Ängsten auseinander, die der Betrieb des LHC in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. So war unter anderem befürchtet worden, dass dabei ein kleines Schwarzes Loch entstehen und die gesamte Erde darin verschwinden könnte, was bekanntlich nicht geschah. Zur Erleichterung der Lektüre dient ein ausführliches Glossar sowie ein Verzeichnis der denkenden und handelnden Personen in der von Herrmann im ersten Teil des Buches kenntnisreich erzählten Geschichte der astronomisch-physikalischen Forschung von Galilei bis heute.

Dieter B. Herrmann: Urknall im Labor. Wie Teilchenbeschleuniger die Natur simulieren. Springer Verlag Heidelberg, 243 S., 24.95 €

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!