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Petrobras mit Rekord-Kapitalerhöhung

Brasilianischer Konzern benötigt Milliardensummen für die Förderung von Öl in der Tiefsee

Der halbstaatliche brasilianische Ölkonzern Petrobras hat hohen Kapitalbedarf, den er über die Börse zu befriedigen sucht. Es geht um die risikoreiche und kostenintensive Erschließung von Öl in mehreren tausend Metern Tiefe am Grund des Atlantiks unter einer dicken Salzschicht.

Die Gewichte der Weltwirtschaft verschieben sich immer schneller. Der brasilianische Ölkonzern Petrobras plant die größte Kapitalerhöhung aller Zeiten. Kürzlich beantragte das Unternehmen, dessen größter Aktionär der Staat ist, die Genehmigung der Ausgabe neuer Aktien im Volumen von 64 Milliarden Dollar. Das ist mehr als der bereits mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegende Börsengang des japanischen Telefonriesen NTT (37 Milliarden) und stellt auch die letzte größere Kapitalerhöhung in Europa (Lloyds, 22,5 Milliarden) weit in den Schatten. Mit dem Börsengang will Petrobras zunächst die enormen Investitionen finanzieren, die durch die Ausbeutung neu entdeckter Tiefseeölfelder vor der Küste Brasiliens erforderlich werden.

Doch es geht um mehr als Öl. Unter der linken PT-Regierung wurde Petrobras zielgerichtet zu einem global orientierten Energie-Technologiekonzern ausgebaut, der mittlerweile auf allen Kontinenten in insgesamt 27 Ländern präsent ist. Bei der Erkundung und Erschließung von Tiefseeölfeldern gilt Petrobras als weltweit führend. Dies mag ein auch ein Grund dafür sein, warum die Bohrungen in der brasilianischen Tiefsee trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko fortgesetzt werden, ohne dass die Brasilianer sich von den damit verbundenen ökologischen Risiken beeindrucken lassen.

Bis 2013 werden noch weitaus höhere Summen benötigt. In einem Fünf-Jahres-Plan ist vorgesehen, bis 2013 über 220 Milliarden Dollar in den Ausbau des Konzerns zu investieren; davon etwa zwei Drittel in die Erdölerkundung und -förderung und etwa ein Drittel in die Raffinerie- und Transportkapazitäten. Lediglich gut ein Prozent der geplanten Investitionen sollen in den Ausbau der Biodieselproduktion investiert werden.

Dafür stößt man auf der Homepage des Unternehmens auf lächelnde Delfine, funkelnde Korallen und blühende Dschungelpflanzen, um deren Hege und Pflege sich der Konzern bemüht. So wird das Image eines sanften Wachstums ohne Raubbau an der Natur suggeriert. Angesichts des dynamischen Wirtschaftsbooms Brasiliens, der für dieses Jahr ein Wachstum von neun Prozent erwarten lässt, dürfte dies ein frommer Wunsch bleiben. Auch angesichts des beispiellosen Investitionsprogramms von Petrobras, das einen Wert von fast 14 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung ausmacht. Und auf beschleunigtes Wachstum setzt auch die linke Regierungspartei PT, die bei den in wenigen Wochen stattfindenden Wahlen ihre Kandidatin Dilma Roussef als Nachfolgerin des legendären Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva durchsetzen will. Ansonsten könnten die ehrgeizigen Sozialprogramme nicht fortgesetzt werden. Da bleiben nicht viele Rücksichten auf die ökologische Kehrseite. Denn die weltweite Konkurrenz bei der Erschließung der Tiefseefelder wird trotz gravierender technologischer Risiken so auf eine neue Stufe getrieben.


Lexikon

Unter einer Kapitalerhöhung versteht man die Aufstockung des Eigenkapitals eines Unternehmens durch Zufuhr neuer Mittel von außen oder durch eigene Gewinne. Die Gründe sind gewöhnlich ein Finanzbedarf für Investitionen oder die Verbesserung der Bonität. Bei Aktiengesellschaften erfolgt die Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien, auf welche die Altaktionäre das erste Zugriffsrecht erhalten. Da sich der Börsenwert des Unternehmens durch die Kapitalerhöhung auf eine größere Anzahl von Aktien verteilt, ist dies meist zunächst mit sinkendem Aktienkurs verbunden. ND

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