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Steine für den Weltfrieden

Bildhauer Wolfgang von Schwarzenfeld arbeitet täglich im Tiergarten an seinem Lebenswerk

Bis zum fertigen Stein ist es für von Schwarzenberg eine Menge Arbeit.
Bis zum fertigen Stein ist es für von Schwarzenberg eine Menge Arbeit.

Ausdauer ist seine Stärke. Das wird wohl jedem klar, der sich näher mit dem ungewöhnlichen Projekt von Wolfgang von Schwarzenfeld beschäftigt. Wer sich darauf einlässt braucht allerdings Zeit, denn die Geschichte der »Global Stone« ist lang. Es ist das Lebenswerk eines 77-jährigen Mannes, der die Welt umsegelt hat und gerade im Berliner Tiergarten »seinen Beitrag zum Weltfrieden« leistet.

Jeden Tag macht sich von Schwarzenfeld aus dem brandenburgischen Michendorf auf den Weg in die Hauptstadt. Er hat immer einen kleinen Campingtisch dabei, viele dicke Schnellhefter mit zahlreichen Fotos und Texten darin und natürlich sein Werkzeug. Fünf bis sechs Stunden kämpft sich der hoch gewachsene Senior dann mit ganzer Kraft durch hartes Gestein. Schwungvoll bewegt er die kleine Schleifmaschine – links, rechts; hoch runter; und wieder links rechts. Es sieht leicht aus, aber auch stupide. Von Schwarzenfeld trägt Handschuhe, einen Mundschutz und meistens einen alten Strohhut. Und wenn er so schleift und hin und wieder über die glatte Oberfläche streicht, leuchten seine Augen: Weil er mit jeder kräftigen Bewegung, mit jedem akkuraten Schliff seinem Traum ein Stück näher kommt.

Wolfgang von Schwarzenfeld hat es sich zur Aufgabe gemacht, von jedem Kontinent zwei durch Material und Form charakteristische Steine zu suchen und diese zu einem Gesamtprojekt zu verbinden. Alle Steine, die ungefähr 30 Tonnen wiegen werden von dem Bildhauer geformt, poliert und beschriftet. »Einer der beiden ›Geschwister-Steine‹ verbleibt im jeweiligen Land seiner Herkunft«, erklärt von Schwarzenfeld. Die anderen sollen im Tiergarten auf der großen Wiese zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor einen Kreis bilden.

Nach 13 Jahren hat der Weltumsegler nun alle Steine beisammen. Doch ohne seinen festen Willen, dass Global Stone Projekt unter allen Umständen zu verwirklichen, wäre er sicher an vielen Hindernissen gescheitert. So musste er sich beispielsweise gegen Vorwürfe in Venezuela wehren, er habe einen »göttlichen Stein« gegen den Willen der Indios abtransportiert. Auch die bürokratischen Hürden für die Ausfuhr waren zumeist recht hoch. Immer neue Unterlagen und Erklärungen wurden in China verlangt, von wo ursprünglich der asiatische Stein kommen sollte. Doch es ging auch anders. Im Königreich Bhutan im Himalaja erhielt er schon nach wenigen Tagen sämtliche Genehmigungen.

Aus 13 Exemplaren besteht der asiatische Teil, an dem er gerade arbeitet. Das Schleifen unterbricht der Künstler nur, wenn ihn Spaziergänger ansprechen. Viele wollen ihm auch helfen. Aber wenn sie die Schleifmaschine in der Hand halten, spüren sie die Stärke des Steins und fragen, woher der alte Mann die Kraft nimmt. »Ich erzähle ihnen von meiner Weltumseglung und vom Kampf ums Überleben, als mein Boot im Atlantik gekentert war.« Und er spricht über den Sinn der Steine: Fünf Schritte zum Frieden sollen sie symbolisieren. Deshalb hat er ihnen Namen gegeben: Europa steht für Erwachen, Afrika für Hoffnung, Asien für Vergebung, Amerika für Liebe und Australien für Frieden.

Von Schwarzenfeld will die Betrachter animieren, die Steine zu berühren. »Meistens habe ich sie dann auch verführt, sich mit der Projekt-Idee zu beschäftigen«, sagt er lächelnd. Aus eigenen Mitteln und mit Hilfe von Sponsoren, die er auf der ganzen Welt findet, finanziert er sein Lebenswerk. Er hofft, dass er es bald in Berlin einweihen kann, will sich aber noch nicht auf einen konkreten Zeitraum festlegen.

Den europäischen »Geschwister-Stein« im russischen Jekaterinburg auf der Grenze zu Asien muss er noch schleifen. Außerdem hält Wolfgang von Schwarzenfeld regelmäßig Vorträge und schreibt gerade ein neues Buch.

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