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Halb voll, ganz leer

Zur SacheStudie beschönigt Lage in ostdeutschen Ländern

Manches ist nicht nur eine Frage der Unterschieds zwischen Optimisten und Pessimisten. In einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo wurde ermittelt, dass sich der Lebensstandard der Ostdeutschen 20 Jahre nach der Wende enorm erhöht habe. Ob bei der Rente, bei den Löhnen und dem Vermögen oder bei der medizinischen Versorgung – überall konstatierte das Institut den Aufschwung, auf den so viele Menschen im Osten seit 20 Jahren vergeblich warten. Eine Frage mangelnden Optimismus? Glas halb voll, nicht halb leer?

Auf 83 Prozent bereits stiegen der Studie zufolge die Löhne im Osten, gemessen am Westniveau, von anfänglich 57 Prozent. Ist es ein Erfolg, 20 Jahre nach der Wende, dass Ostdeutsche so häufig immer noch keine 100 Prozent West erhalten? Zumal, wenn es um Gehaltsunterschiede trotz gleicher Tätigkeit geht. Und es sich bei dem Vergleich um Durchschnittszahlen handelt, die Differenz im Einzelfall viel gravierender ist.

Die Ostrentner erhielten durchschnittlich mehr Rente als die Westrentner, heißt es weiter. Die Wahrheit lautet: Dieser Vorteil ist noch eine Hinterlassenschaft der DDR und ihrer Vollbeschäftigung. Und er ist, gemessen an den Regelungen des Vereinigungsvertrages, unrechtmäßig geschmälert. Denn die Ansprüche der Rentner wären höher, wenn sie im Westen gearbeitet hätten. Dafür ist jetzt schon sicher, dass die überdurchschnittliche Ausbreitung von Hartz IV im Osten gerade hier eine künftige Region der Altersarmut schafft. Mit den Studien ist es wie mit den Statistiken – wer zahlt, kriegt die gewünschte Welt in Zahlen. Gezahlt hat im Fall dieser Studie die wirtschaftslobbyistische neoliberale Organisation »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«. Und wie um alle Erwartungen noch zu übertreffen, stellt sie fest: Die Lebenserwartung im Osten ist um sechs Jahre gestiegen.

Halb voll, halb leer? Der Strom der Abwanderung gen Westen, insbesondere junger Leute, lässt anderes befürchten: Ganz leer ... uka

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