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Laufen lernen in Borussias Kindergarten

Nach dem peinlichen 0:7 in Stuttgart suchen die Mönchengladbacher nach Gründen für den Abwärtstrend

  • Von Christoph Ruf, Stuttgart
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auch der Stadionregie ging alles offenbar ein wenig zu schnell. Jedenfalls dauerte es einige Sekunden länger als gewöhnlich, bis die Tormelodie vom Band kam. Als Pawel Pogrebnjak das 1:0 köpfte, war allerdings auch erst eine Minute gespielt. Bei den sechs weiteren Stuttgarter Treffern war der Mann am Mischpult dann aber wieder gewohnt reaktionsschnell. Während tausende Zuschauer mit offenem Mund den Dilettantismus der Gladbacher Deckung bestaunten, ertönten fröhliche Klänge aus den Lautsprechern. Nach gut einer Stunde führte der VfB 5:0, nach weiteren 20 Minuten 7:0. Und hätten es die Schwaben daraufhin nicht etwas gemächlicher angehen lassen, die Blamage – wie Mönchengladbachs Thorben Marx das Spiel zusammenfasste – wäre wohl noch deutlicher ausgefallen.

Nun hatte der Stuttgarter Erfolg natürlich nicht nur damit zu tun, dass Tobias Levels seinen Auftritt und den seiner Mitspieler treffend als »Kindergarten« bezeichnete. Schließlich nutzte der VfB das auch gekonnt aus. Entschlossen und zielstrebig, habe sein Team gespielt, fand VfB-Trainer Christian Gross. Allzu hymnisch wollte der Schweizer sein Team aber aus gutem Grund nicht loben. Denn am Samstag hätte sicher auch ein gut aufgelegter Drittligist gegen die Borussia gewonnen.

»Das war wirklich eine unterirdische Leistung von uns«, gab Mönchengladbachs Filip Daems zu und untertrieb damit eher noch. Wenn die Gäste mal in Ballbesitz waren, trugen sie ihre Aktionen mit der Dynamik eines Hefeteigs vor, die Defensivleistung hatte mit professionell betriebenem Fußball nichts zu tun. Schließlich hatten die VfB-Akteure die ganze Partie über mehr Räume als bei Testspielen gegen unterklassige Gegner.

Vor dem 7:0 hatte der Stuttgarter Daniel Didavi nach einem munteren Spaziergang über den linken Flügel gleich mehrere Anspielstationen im Gladbacher Strafraum, das Tor durfte dann Ciprian Marica erzielen. Erst nach Abpfiff zeigte das Gladbacher Torso die erste beherzte Mannschaftsaktion des Tages: Geschlossen traten die Spieler den schweren Gang Richtung Fankurve an. Jugendfreies gab es dort nicht zu hören.

Gladbach-Coach Michael Frontzeck hatte dann auch einige Mühe, die Solidarität mit seiner Mannschaft aufrecht zu erhalten: »Ich bin nicht als Populist bekannt, heute möchte ich mich aber bei unseren Fans für die Leistung entschuldigen. Ein 0:7 ist einfach nur peinlich.« Einen Erklärungsansatz fand Frontzeck gleichwohl. Es war der gleiche, den auch Manager Max Eberl bemühte. Die zweite Klatsche in Folge nach dem 0:4 am vergangenen Wochenende zuhause gegen Frankfurt habe seine Ursache in dem hohen Auswärtssieg am zweiten Spieltag, vermuteten die Verantwortlichen. Der sei der Mannschaft wohl zu Kopf gestiegen. »Das 6:3 in Leverkusen war wohl Gift für uns«, meinte Eberl. »Wir sind ein Team das über Einsatz, Kampf und Laufbereitschaft kommt. Das Fußballerische ist erst der zweite Schritt.« Die Borussia muss das Laufen neu lernen.

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