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Männermächte, Frauenrechte

Frühe Stummfilme über die Suffragettenbewegung im Zeughauskino

  • Von Hans-Günther Dicks
  • Lesedauer: 3 Min.

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Streng und hochgeschlossen gekleidet in Rüschen und Tüll, streng und grimmig auch die Mimik, dazu eine Sprache und Gestik, die fordert und keinen Widerspruch duldet – so kennt man die oft militanten Verfechterinnen des Frauenwahlrechts zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die als »Suffragetten« der Schrecken der von Männern beherrschten Gesellschaft waren. Eine verdienstvolle, von Madeleine Bernstorff und Mariann Lewinsky kuratierte Film- und Vortragsreihe im Berliner Zeughaus-Kino (23. – 27. Sept.) stellt in 77 meist kurzen Stummfilmen dar, wie das frühe Kino diese kämpferischen Frauen, aber auch ihre weniger politisierten Geschlechtsgenossinnen ins Bild rückte.

»Der Kinematograph«, wie er damals noch hieß, hatte selbst kaum begonnen, sich von einer Jahrmarktsatttraktion für die unteren Klassen zu einem ernst zu nehmenden Medium zu mausern. »Radikale (Haus-)Mädchen« heißt denn auch der erste Abend, in dem frühe Stars wie Alma Taylor und Chrissie White als »Tilly und Sally« ihre männliche Umgebung mit Feuerwehrspritzen und anderen Bosheiten malträtieren und streikende Köchinnen wie in den Slapstick-Komödien die Polizei vermöbeln. In »Familienbesuch bei Kunigunde« (1912) erledigt die Titelheldin mit ihren zu Besuch weilenden Verwandten die aufgetragene Reinigung der herrschaftlichen Wohnung so gründlich, dass nur ein Haufen Schutt übrig bleibt.

Solch derb proletarisches Aufbegehren fand sein bürgerliches Pendant in den organisierten Kampagnen der Suffragetten. Diese entstammten meist der intellektuellen Oberschicht und praktizierten ihren emanzipatorischen Anspruch oft durch demonstratives Rauchen in der Öffentlichkeit. Obwohl sie zu Tausenden für ihr Auftreten Haftstrafen verbüßten, kamen sie in den frühen Filmen fast nur als Objekt von Spott und Häme vor, wenn sie nicht gar als Gefahr für die staatliche Ordnung massiv attackiert wurden. So lässt sich zum Beispiel in Urban Gads »Die Suffragette« (1913) die von Asta Nielsen gespielte Titelfigur Nelly Panburne – eine Anspielung auf Emmeline Pankhurst, den geistigen Kopf der britischen Suffragettenbewegung – sogar zum Bombenanschlag auf das Quartier des politischen Gegners überreden. Im Schlussbild aber sehen wir sie – wohl auf Druck der Zensur – als reuige Ehefrau eben jenes reaktionären Lords.

Doch die Suffragetten blieben nicht wehrlos gegenüber solchen Verzerrungen ihrer Ziele. Schon 1912 warnte die Zeitschrift »Lichtbildbühne« vor ihrer »neuen Kampfmethode«: Sie waren dazu übergegangen, ihre Aktionen »von weiblichen Kino-Operateuren begleiten (zu) lassen«, die, wie man aus den im Programm gezeigten Wochenschau-Ausschnitten von Protestmärschen entnehmen kann, ein weit nüchterneres, oft sogar biederes Bild ihres Wirkens einfingen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs aber stellten viele dieser Frauenrechtlerinnen ihre Aktivitäten zugunsten patriotischen Taumels ein – in einigen Ländern Europas durften Frauen erst Jahrzehnte später wählen.

Da viele der einschlägigen Filme von der zeitgenössischen Zensur verstümmelt wurden oder nur unvollständig erhalten sind, erscheint das Programm eher wie ein bunter Flickenteppich aus einer kaum mehr rekonstruierbaren Filmgeschichte. Zwischentitel in vielerlei Sprachen – die allerdings deutsch eingesprochen werden – spiegeln die Misere versäumter Archivierung und die aufwendigen Recherchen der Kuratorinnen wider. Und da der Stummfilm nie wirklich stumm war, müssen auch die Besucher im Zeughaus auf die entsprechende Live-Musikbegleitung nicht verzichten, die sogar mit einer echten Rarität aufwartet: Wieslaw Pipczynski spielt an zwei Abenden ein Theremin, das erste elektronische Musikinstrument der Welt.

23.–27.9., Zeughaus-Kino im Deutschen Historischen Museum, www.madeleinebernstorff.de

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