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Thüringen verlängert Schulpflicht

Künftig soll kein Jugendlicher mehr ohne Abschluss bleiben

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Thüringen will sein Schulsystem verbessern. Auf Initiative der SPD wird die Gemeinschaftsschule mit längerem gemeinsame Lernen eingeführt. Thüringens CDU hat die Regelschule im Blick. Jeder Schüler soll einen Abschluss bekommen.

Erfurt (dpa/ND). Die schwarz-rote Koalition in Thüringen verlängert die Schulpflicht von neun auf zehn Jahre. Ziel ist, dass kein Schüler mehr ohne Abschluss die Schule verlässt, sagte Kultusminister Christoph Matschie (SPD) in Erfurt. Das am Dienstag vom Landeskabinett verabschiedete Gesetz sieht außerdem die Gründung von Gemeinschaftsschulen als neue Schulform vor. Dort sollen Schüler bis zur achten Klasse gemeinsam unterrichtet werden.

Wer nach der neunten Klasse keinen Hauptschulabschluss erreicht hat, muss in Thüringen künftig ein Jahr länger die Schulbank drücken. »In dieser Zeit wird er besonders gefördert«, sagte Matschie. Reiche diese Zeit immer noch nicht aus, sei auch ein elftes Jahr möglich. Die Landtagsfraktion der Grünen wollte das Sitzenbleiben in der Schule abschaffen. Nichtversetzungen in die nächste Klassenstufe seien nicht nur pädagogisch fragwürdig, sondern kosteten den Freistaat auch jedes Jahr mehr als 20 Millionen Euro, hieß es.

Qualitätssiegel eingeführt

Thüringer Schüler, die nach neun Klassen den Abschluss schaffen und eine Lehrstelle nachweisen, können sich künftig die Berufsschule als zehntes Pflichtjahr anrechnen lassen. Mit dieser Reform wird ein erfolgreiches Modellprojekt nun zur Regel erhoben. Die Thüringer CDU hat es mit dem Titel »Oberschule« versehen.

Dieses Qualitätssiegel können Regelschulen künftig erhalten, wenn sie sich nicht nur um Lernschwache bemühen, sondern auch leistungsstarke Schüler fördern und sie auf einen Wechsel ins Gymnasium nach der zehnten Klasse vorbereiten.

»Wir erhöhen damit die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen«, erläuterte Fraktionsvorsitzender Mike Mohring. Mit dem Gesetz wird auch die Gemeinschaftsschule offiziell eingeführt, die von der CDU lange bekämpft wurde. Sechs solcher Einrichtungen sind bereits in diesem Schuljahr an den Start gegangen. Die Gründungen sollen freiwillig erfolgen und müssen von Eltern, Lehrern und Schülern initiiert werden.

»Nach meiner Einschätzung unterstützen Eltern überall im Land diese Entwicklung«, so Matschie. Er sei zuversichtlich, dass bald jeder Schüler im Land eine solche Schule in seiner Nähe habe. Wandlungswillige Schulen müssen dem Ministerium ein Konzept vorlegen. »Die Gemeinschaftsschule erfordert auch ein neues pädagogisches Modell, das stark auf individuelle Förderung setzt. Deshalb werden wir das sehr genau prüfen.« Für die Neufassung der Stundenpläne und Anschaffung neuer Materialien könnten die Schulen mit Anschubfinanzierungen rechnen. Das Ministerium sprach von 20 000 Euro pro Schule jeweils in den ersten drei Jahren.

Länger Ganztagsbetreuung

Das Landeskabinett einigte sich außerdem darauf, die Ganztagsbetreuung auf die fünften und sechsten Klassen auszuweiten. »Damit wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern«, sagte Matschie. Die Umsetzung hänge jedoch von den finanziellen Mitteln ab.

Außerdem will das Ministerium stärker Einfluss auf die Planung von Berufsschulen in Thüringen nehmen. Hintergrund ist die sinkende Schülerzahl, die mehrere Berufsschulstandorte in Bedrängnis bringt.

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