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Mit Gandhi und Gramsci

Neuer DGB-Chef in NRW

Seine Vorbilder? »Von Gandhi«, sagt Andreas Meyer-Lauber, »von Gandhi kann man lernen, wie man klug gewaltfreien Widerstand organisiert, von Gramsci, dass man die ideologische Hegemonie erringen muss.« Seit zwei Wochen ist Meyer-Lauber nun oberster Repräsentant der knapp 1,6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in NRW. »Ereignisreiche, produktive Tage waren das«, sagt der 58-Jährige und klingt gut gelaunt ob des vergleichsweise erfolgreichen Tarifabschlusses in der Stahlindustrie.

Studiert hat der neue DGB-Boss am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin, Anfang der siebziger Jahre noch eine linke Bastion. Weil er nicht nur theoretisieren wollte, trat er 1971 in die Bildungsgewerkschaft GEW ein. In den 80ern war er Gymnasiallehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften, machte dann Karriere in der GEW, wurde schließlich 2004 ihr Landesvorsitzender. Er gilt als Bildungsreformer und Gesamtschulfan, positionierte sich pro Mindestlohn, Hartz-IV-Erhöhung und Vermögenssteuer. Und contra Thilo Sarrazin, der erstklassige Migranten aus Deutschland vergraule.

Meyer-Lauber ist Sozialdemokrat, gewiss nicht der rechteste an Rhein und Ruhr, aber durchaus kein Gegner der rot-grünen Landesregierung, in der sein Amtsvorgänger Guntram Schneider als Arbeitsminister firmiert. Im Koalitionsvertrag, sagt er, fänden sich wichtige Forderungen der Gewerkschaften wieder. Mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat er sich bereits getroffen. Die Parteifreundin habe ihm ein Tariftreuegesetz zugesagt, dazu eine Reform des von Schwarz-Gelb deformierten Personalvertretungsgesetzes. Der Herbst macht Gewerkschafter heiß. Auch Andreas Meyer-Lauber kündigt eine Offensive in der dritten Jahreszeit an: 15 000 Menschen erwartet er am 13. November zu einer »Großaktion« in der Dortmunder Westfalenhalle.

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