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Generation Prekär

ANGELIKA REITZER im heutigen Alltag

  • Von Claudia Wangerin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Roman, in dem mit größter Selbstverständlichkeit über Facebook-Freunde gesprochen wird, tut weh. Trotzdem: Es lohnt sich, ihn zu lesen. Angelika Reitzer hinterfragt nicht nur neue gesellschaftliche Verpflichtungen durch das Internet, sondern die ganze Gesellschaft, in der gebildete junge Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen von einem Projekt zum nächsten stolpern und dabei versuchen, so etwas wie ein Privatleben zu führen echte Freundschaften zu pflegen – und sich selbst immer wieder bei taktischem Verhalten erwischen.

Es beginnt mit einem Familienfest: »Ein Wir ist auf diese verzweifelten Menschen, die sich unbedingt gut unterhalten wollen, nicht anwendbar.« Hier kommt erschwerend hinzu, dass sich die Eltern aus dem Leben der Kinder verabschieden, um ein Leben ohne Pflichten und Verantwortung zu führen. Der Vater stirbt allerdings wenig später. Eine der Hauptfiguren des Romans ist Clarissa, die Tochter. Beruflich engagiert, wenn man sie lässt, blickt sie auf ihr Leben und betrachtet den Alltag von Freunden und Bekannten. Die Erzählperspektive springt nicht nur oft von einer Figur zur anderen, sondern bei Clarissa sogar von der Ich-Form zur dritten Person, als stehe sie manchmal neben sich und beobachte sich selbst.

Tobias und Klara, die sich erstmal für die Rolle als Hausfrau entschieden hat, haben ein Haus geerbt und Clarissa als Untermieterin im Kellerzimmer aufgenommen. Einen Teil der Miete sollte sie mit Babysitten bezahlen. Doch dann gingen die beiden nie aus. Klara zieht Hörbücher den gedruckten vor und will unbedingt eine Hausgeburt, als ihre zweite Tochter unterwegs ist. Da soll Clarissa vorübergehend das Haus verlassen, will zu einem Seminar, ist aber heimlich geblieben, weil sie nicht die Kraft hatte zu fahren ...

Die meisten Frauen in diesem Roman waren auf dem Weg der Emanzipation schon mal einen Schritt weiter, konnten aber ihre Position nicht halten. Alles ist vorübergehend, nur das Muttersein ist endgültig.

Als Marie gemobbt wurde, hat Clarissa mindestens weggesehen. Die Beschreibung dieses alltäglichen Vorgangs ist radikale Gesellschaftskritik: »Sie geben dir eine Arbeit, die keine ist. Da kommst du nicht heil heraus, vergiss es also. Und versuch es erst gar nicht. Vergrab dich oder leg dich flach auf den Boden, dann steigen die, mit denen du früher in der Mittagspause beim Chinesen oder Italiener ums Eck, zum indischen Buffet vorne an der großen Straße oder einfach nur in den Supermarkt bist, um ein Joghurt oder irgendwas Leichtes zu holen, über dich drüber. Sicher, sie merken es nicht ...«

Die Sehnsucht nach Veränderung – oder wenigstens Revolte – taucht scheinbar beiläufig auf. Als Zeichen der Entfremdung zwischen zwei Menschen. Vera und Kevin sind ein intellektuelles Paar, das sich auseinander lebt. Nicht sonderlich wohlhabend. Er Filmkritiker, sie Inhaberin eines kleinen Verlages. Beide haben sie mehrmals bei den streikenden Studenten vorbei geschaut. Jeder für sich; ohne dies voneinander zu wissen.

Angelika Reitzer: Unter uns. Roman. Residenz Verlag. 304 S., geb., 21,90 €.

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