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Kein totes Land

REALITÄT UND HOFFNUNG IN DER DDR

  • Von Franziska Klein
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die postmortalen Angriffe gegen die DDR sind in diesen Monaten kaum zu überbieten. Sie belegen eigentlich, dass die DDR noch sehr lebendig ist. Warum sonst müsste man mit fanatischem Eifer den Kampf gegen diesen Staat weiter führen«, schreibt Hans Bauer und fährt fort: »Die DDR besteht zwar nicht mehr als Staat, aber im Bewusstsein, in der Erinnerung der Menschen, im täglichen Leben ist sie noch sehr lebendig und gegenwärtig, wie Umfragen immer wieder bestätigen.« Auch Karl-Heinz Bernhardt kommt zu dem Befund: »Über ein totes Land würde man nicht viel reden – es wird aber geredet.«

Rechtzeitig vor dem 20. Jahrestag der deutschen Vereinigung legte die Unabhängige Autorengemeinschaft mit der umständlichen Selbstbezeichnung »Als Zeitzeuge erlebt – Spuren der Wahrheit« den sechsten Band ihrer zweiten Schriftenreihe vor, in dem sie – wie in der vorangegangenen, ebenfalls sechsbändigen – Erlebnisse in der DDR reflektiert, die einen recht sachlich, die anderen teils sehr emotional. Gemeinsam ist allen 285 Mitgliedern dieser einzigartigen Autorengemeinschaft die Gewissheit von der Möglichkeit und Notwendigkeit einer alternativen Gesellschaftsordnung, »in der nicht der Profit alleiniges Ziel und Maßstab alles Wirtschaftens ist, sondern in der die Gewinne der vergesellschaftlichten Industrie und Landwirtschaft Grundlage des Reichtums aller sind«, wie es im Vorwort heißt.

Mittlerweile haben viele Ostdeutsche erkannt, was ihnen 1990 abhanden gekommen ist. »Die Liste der Verluste ist lang«, schreibt Ralph Hartmann und listet auf: Vollbeschäftigung und keine Angst um den Arbeitsplatz; entwickeltes System der Berufsausbildung ohne Mangel an Ausbildungsplätzen; beträchtliche soziale Gleichheit und überschaubare Unterschiede in Löhnen und Gehältern; weitgehende Chancengleichheit im Bildungswesen und staatliche Stipendien für Abiturienten und Studenten; umfassende Fördermaßnahmen für Frauen und Jugendliche, junge Eheleute und kinderreiche Familien; vorbildliche Betreuung von Schwangeren sowie von Kindern und Jugendlichen mit obligatorischen Schutzimpfungen und prophylaktischen medizinischen Untersuchungen; ein dichtes Netz von Theatern, Museen, Bibliotheken, Kulturhäusern und Jugendklubs mit billigen Eintrittspreisen oder Benutzungsgebühren etc.

Erich Buchholz verweist in seinem Beitrag darüber hinaus auf die geringere Kriminalität und bürgerfreundlich formulierte Gesetze. Typisch für die DDR war aber auch – trotz Neubauprogramm und Schaffung vieler Wohnungen – über Jahrzehnte Wohnungsknappheit, wie sich Gerlinde Jäkel erinnert; dafür waren die Wohnungen aber billig, und es gab keine Obdachlosigkeit.

Die hier niedergeschriebenen persönlichen Geschichten sind so unterschiedlich wie ihre Verfasser. Zu Wort kommen der Kali-Bergmann wie der Sportjournalist, der CDU-Funktionär, der Diplomat wie auch die Emigrantin aus Franco-Spanien. Ein wahrlich buntes Panorama erlebter DDR-Realität.

Horst Jäkel (Hg.): DDR – Realität und Hoffnung. GNN Verlag. 485 S., br., 20 €.

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