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MAKS macht aktiv

Nicht-medikamentöse Therapie hilft Menschen mit Demenz beim Erhalt ihrer Fähigkeiten

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Neue Hoffnung für Menschen, die an Demenz erkrankt sind: Im Bundespressehaus in Berlin stellten Wissenschaftler und Praktiker das Projekt MAKS aktiv vor. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine nicht-medikamentöse Mehrkomponententherapie, die zum Teil über ein Jahr in fünf verschiedenen Pflegeheimen getestet wurde und überraschende Ergebnisse gebracht hat.
Seniorengymnastik in der Diakonie Neuendettelsau
Seniorengymnastik in der Diakonie Neuendettelsau

Prof. Dr. Elmar Gräßel von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Universitätsklinik Erlangen und wissenschaftlicher Leiter von MAKS aktiv erläuterte in Berlin die Ausgangslage für das Projekt. In Deutschland, so der Mediziner und Wissenschaftler, sind rund 1,1 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen, Tendenz steigend. Zwei Drittel davon sind an der Alzheimer Demenz erkrankt. Ein Drittel der Betroffenen wird in Pflegeheimen betreut.

Demenzerkrankungen verlaufen chronisch fortschreitend. Am häufigsten lassen Gedächtnis und Orientierungsfähigkeit nach, aber auch Rechnen, Lesen, Schreiben und Sprechen verschlechtern sich. Bisher, betonte Prof. Gräßel, besteht in über 95 Prozent der Alzheimerfälle keine Aussicht auf Heilung. Die Wirkung von Therapien mit den besten Arzneimitteln zur Behandlung der degenerativen Demenzen, den Acetylcholinesterase-Hemmern, hätte nur für eine kurze Zeitdauer nachgewiesen werden können. »Bisher heißt Wirksamkeit bei Demenz: Aufhalten, so dass es nicht schlechter wird. Dies gelingt etwa sechs Monate im Durchschnitt«, stellte der Erlanger Mediziner fest.

Mit MAKS, das ist die Abkürzung für Motorische, Alltagspraktische, Kognitive und Spirituelle Aktivierungstherapie, gingen die Initiatoren, zu denen auch die Diakonie Neuendettelsau (Mittelfranken) und die Katholische Fachhochschule Mainz gehört, völlig neue Wege. Im Gegensatz zu bisher angewandten nicht-medikamentösen Therapien, die meist nur auf eine Eigenschaft zielen, fördert MAKS aktiv mehrere geistige (kognitive) und körperliche (motorische) Fähigkeiten. Dabei werden neben klassischen Gedächtnisaufgaben auch Aktivitäten geübt, die an die Lebenserfahrung der Betroffenen anknüpfen, wie zum Beispiel handwerkliches Geschick. Die Motorik wird durch Aufwärmübungen und Wassergymnastik angeregt. Zur Erhaltung der kognitiven Fähigkeiten nutzt das Projekt auch den PC, an dem die Erkrankten unter Anleitung Sprach-, Zähl- und Gedächtnisübungen absolvieren können.

Für die Projektstudie erhielten je zehn nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Bewohnerinnen und Bewohner der fünf beteiligten Pflegeheime sechs bis zwölf Monate lang jeweils zwei Stunden Förderung in den vier MAKS-Bereichen. 50 weitere Betroffene mit einer Arznei-Therapie bildeten die Kontrollgruppe. Bereits nach einem halben Jahr zeigte sich eine deutliche Besserung bei der MAKS-aktiv-Gruppe. Die Beteiligten hatten mehr Freude am Leben, waren stärker sozial eingebunden und zeigten weniger demenztypische Verhaltensweisen als herkömmlich versorgte Personen. Nach einem Jahr, in dem die Kontrollgruppe deutlich an Fähigkeiten verloren hatte, bewegte sich die »MAKS«-Gruppe noch immer auf dem Ausgangsniveau, d h. die Fähigkeiten blieben für mindestens zwölf Monate erhalten. MAKS aktiv wirkte also besser als die bisher bekannten besten Medikamente und das ganz ohne Nebenwirkungen, freute sich Prof. Gräßel. Stephan M. Abt, Leiter des Sigmund-Faber-Heims in Hersburck, einem der fünf in das Projekt eingebundenen Pflegeheime, fasste seine Erfahrungen so zusammen: Die Therapie ermögliche Ressourcenförderung, und Pflege in einem umfassenden Verständnis und sei zugleich eine Absage an ein rein defizitorientiertes Altersbild. des Menschen.

MAKS aktiv gehört zum zweijährigen Modellvorhaben »Leuchtturmprojekt Demenz« des Bundesministeriums für Gesundheit und wurde von diesem auch bis Anfang diesen Jahres gefördert.. Jetzt gehe es darum, so Prof. Gräßel, in einem nächsten Schritt zu untersuchen, ob die Ergebnisse, die er für bahnbrechend hält, von MAKS möglicherweise noch gesteigert werden können, zum Beispiel in einer Kombination mit den derzeit besten Medikamenten. Bereits ab nächstem Jahr soll ein ausführliches Handbuch allen interessierten Personengruppen, Pflegepersonal und Angehörigen, zugänglich sein, das es ermöglicht, die MAKS aktiv-Therapie auch selbständig anzuwenden.

www.maks-aktiv.de

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