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Der Vernichtung entgangen

Wohnungsbaugesellschaft Mitte ließ Wandbild des Künstlers in der Breite Straße demontieren

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Mit einer Hebebühne wurden die 50 mal 50 Zentimeter großen Kupferplatten einzeln abmontiert.
Mit einer Hebebühne wurden die 50 mal 50 Zentimeter großen Kupferplatten einzeln abmontiert.

18 Holzkisten standen am Montag Mittag in der Breite Straße bereit. Sie sind mit »WWK« und einer Ziffer gekennzeichnet. Die Abkürzung steht für »Walter Womacka Kiste«, wie der Geschäftsführer einer Berliner Landschafts- und Gartenbau-Firma, Werner Markert, erklärte. Seine Mitarbeiter demontierten das Wandbild des kürzlich verstorbenen Malers »Der Mensch, das Maß aller Dinge« vom Gebäude des einstigen Bauministeriums der DDR zu einem »Solipreis« für die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM). Sie hatte das Kunstwerk, bestehend aus 360 emaillierten Kupferplatten, im Frühjahr erworben.

Steffi Pianka, Pressesprecherin der WBM, betonte bei der öffentlichen Bergung des baugebundenen Wandbildes, dass sie von Walter Womackas kritischem Bewusstsein und seiner Menschlichkeit beeindruckt war. Der Mann habe so viel Kunst gemacht, das wurde aber heute von manchem nicht mehr so gesehen, erklärte Pianka das Engagement der WBM für Womackas Kunst. Daher dürfe auch dieses Bild nicht vernichtet werden.

Die 3,4 Kilogramm schweren Kupferplatten, die einen Mann umgeben von Formeln und geometrischen Formen zeigen, wurden im Laufe des gestrigen Tages Stück für Stück abmontiert und behutsam verpackt. Nun folgt eine Begutachtung, wie Pianka erläuterte, um den Sanierungsbedarf der ausgeblichenen Quadrate festzustellen. Anschließend sollen sie gereinigt und, wenn nötig, restauriert werden. Dabei sei es laut Pianka problematisch, dass die Emaillebeschichtung nicht noch einmal gebrannt werden könne.

Gleichzeitig gehen die Überlegungen um einen neuen Standort weiter. Die WBM hat sich wie der Freundeskreis Walter Womacka e.V. nicht nur die Rettung des Kunstwerkes zum Ziel gesetzt. »Der Mensch, das Maß aller Dinge« soll demnächst an einem anderen Gebäude wieder angebracht werden. Dazu empfahl der Architekt und Publizist, Bruno Flierl, das Bild dort aufzuhängen, wo es aus der Ferne gesehen werden kann, aber auch aus der Nähe zu betrachten ist. »An einem Ort, der zum Verweilen einlädt«, so Flierl.

Pianka erläuterte, dass die Familie Womackas ein Mitspracherecht bei der Wahl des neuen Standortes haben solle. Der Künstler selbst wünschte sich, dass das Bild in Mitte bleibt. Die WBM sucht daher ein Gebäude, das sich in der Nähe des Alexanderplatzes befindet. Voraussetzung für den Zuschlag sei in jedem Falle, dass das Gebäude bereits saniert sei. Pianka bestätigte, dass auch das ND zu den Bewerbern zähle. »Bis die Entscheidung über die Wiederanbringung fällt, sind aber noch einige bürokratische Hürden zu nehmen«, stellte Pianka fest.

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