Werbung

Scheuer Nachbar unter Tage

Gartentier: Der Maulwurf buddelt, um zu fressen - Pflanzen lässt er aber links liegen

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mögen Sie ihren Maulwurf? Meiner war in den letzten Tagen wieder fleißig. Er muss Hunger haben, was mich nicht wundert. Die Engerlinge, die der Literatur nach einen wichtigen Bestandteil seiner Nahrung bilden, gibt es kaum, und der unfruchtbare Unterboden, den er heraufgebracht hat, können nur wenige andere Tiere bewohnen: Namentlich Regenwürmer, die für ihn zweifellos eine große Bedeutung haben.

Maulwurfshaufen zeigen an, dass er sein Gangsystem erweitert, besonders große eher, dass er darunter sein mit Pflanzenmaterial gepolstertes Nest gebaut hat. Maulwürfe (Foto: dpa) gehören zu den Insektenfressern, die nun einmal so heißen, obwohl Kleintierfresser eine treffendere Bezeichnung wäre. Er beißt wohl gelegentlich Wurzeln ab, die ihm im Wege sind, oder legt sie frei, so dass sie vertrocknen, aber er frisst keine Pflanzen. Unbeliebt macht er sich aber, wenn er in Blumenbeeten Haufen aufwirft, oder auf dem gepflegten Rasen, wo sie dem Mäher im Weg stehen.

Ein schönes und erlebnisreiches Leben hat ein Maulwurf kaum. Er sieht nichts von der Welt, weil er fast blind ist, und selten einmal kommt das scheue Tier an die Oberfläche. Deswegen lernt man den etwa goldhamstergroßen Gartengenossen auch nicht kennen, und Bilder, die ihn aus der Erde stoßend zeigen, sind fast immer mit präparierten Tieren gestellt. Das verzweigte Gangsystem, das meist 40 bis 60 Meter lang ist, aber auch bis zu 100 oder gar 200 Meter messen kann, ist eine große Falle, die der Bewohner regelmäßig patrouilliert. Kleine Bodentiere, die sein Reich durchqueren, werden erbeutet. Wie bei anderen Insektenfressern ist der Nahrungsbedarf groß, er soll pro Tag etwa dem Eigengewicht entsprechen, und dem Maulwurf ist nicht einmal ein Winterschlaf vergönnt.

In »Brehms Tierleben« erfährt man von einem frühen Vorläufer heutiger Bürgerproteste, den der Maulwurf ausgelöst hat: Danach richtete 1904 der »Verband fortschrittlicher Frauenvereine« eine Petition an den Reichskanzler, die den Schutz des Tieres forderte. Maulwurfspelze waren damals modern. Professionelle Fänger erbeuteten Massen der samtartigen winzigen Felle, im Handelszentrum London wurde jährlich etwa eine Million angeboten.

Übrigens sollte man nicht den Fehler machen, dem Maulwurf für alle Schäden im eigenen Garten verantwortlich zu machen: Denn manchmal treibt auch die Wühlmaus ihr Unwesen. Auch sie wirft Haufen auf, die allerdings flacher sind und einen randlichen statt des beim Maulwurf zentralen Auswurfschachtes haben. Als Pflanzenfresser kann sie vor allem durch Wurzelfraß sehr schädlich werden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!