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Femme fatale und Femme fragile

In Lübeck beschäftigt sich eine Ausstellung mit Leben und Werk der Franziska Gräfin zu Reventlow

  • Von Lutz Gallinat, Lübeck
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein Mythos war Franziska Gräfin zu Reventlow schon zu Lebzeiten. Sie lehnte sich gegen Regeln ihres Standes auf, sie wollte unabhängig und völlig frei sein, ganz für die Kunst leben und frei über den eigenen Körper verfügen. In Lübeck ist ihr derzeit eine Ausstellung gewidmet.

»Alles möchte ich immer« – mit diesem Satz, notiert in ihrem Tagebuch, brachte Franziska Gräfin zu Reventlow (1871-1918) die Simultanität und Unvereinbarkeit ihrer Wünsche an das Leben auf eine Formel. Die »Schwabinger Gräfin« – ebenso Bohemienne wie Grand Dame – war um 1900 eine zentrale Figur in der Münchener Kunstszene und hatte bereits zu Lebzeiten einen fast legendären Ruf. Gebürtig in Schleswig-Holsteinerin war sie aus dem aristokratischen Milieu, dem sie entstammte, aufgebrochen, um Malerin zu werden. Obgleich sie dieses Ziel über Jahre hartnäckig verfolgte, hatte sie nicht als Malerin Erfolg, sondern als Autorin geistreich-ironischer Romane.

Die Persönlichkeit Reventlows, labil zwischen euphorischer Daseinsaffirmation und tiefer Melancholie, hat in den Erinnerungen ihrer Weggefährten, Freunde und Liebhaber gleichsam eine Leuchtspur hinterlassen. Ihr autonomes, von einem ständigen Existenzkampf begleitetes Leben ist bis auf den heutigen Tag eindrucksvoll.

Die Vita der Franziska Gräfin zu Reventlow und ihr Werk sind ein wichtiger Beitrag zur Emanzipationsgeschichte des 19. und 20.Jahrhunderts. Sie war eine »Femme fatale« und »Femme fragile« im Sinne des allerdings heftig umstrittenen Werkes »Geschlecht und Charakter« (1903) des Philosophen und Psychologen Otto Weininger.

Die Lübecker Ausstellung gliedert sich nach den vier großen, wichtigen Lebensstationen der Protagonistin und veranschaulicht ihre jeweils prägenden Erfahrungen anhand von meist neu entdeckten Quellen. Dabei handelt es sich um eigene bildkünstlerische und literarische Werke, Fotografien, Briefe und amtliche Dokumente. Zusammen mit Zeugnissen Dritter werden sie in ein spannungsreich inszeniertes Zusammenspiel gebracht.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem von Henrik Ibsen (1826-1906) und Friedrich Nietzsche (1844-1900) beeinflussten Lebensentwurf als Künstlerin, der sich mit der Konzeption von Autonomie und Ungebundenheit verknüpfte. Begleitend zu der Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog erschienen.

Ausstellung bis 21.11., Buddenbrookhaus Lübeck, Mengstraße 4, www.buddenbrookhaus.de

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