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Trendige Bohne in der Kritik

Norbert Suchaneks »Der Soja-Wahn« pflegt den differenzierten Blick

Der Umweltjournalist und ND-Autor Norbert Suchanek rechnet in seinem Buch »Der Soja-Wahn« gekonnt mit der angeblichen Wunderbohne ab.

Soja ist schwer in Mode. 250 Millionen Tonnen der ursprünglich aus China stammenden »Wunderbohne« werden jährlich weltweit produziert. In vielen Lebensmitteln finden sich Bestandteile des Soja, das weitläufig den Ruf besitzt, ein ausgesprochen gesundes Lebensmittel zu sein. Als schmackhaft gewürzte Tofu ersetzt es das Fleisch auf dem Teller, als Sojagetränk die Kuhmilch und mit Sojasoße lässt sich so manches Gericht verfeinern.

Den Großteil verbrauchen indirekt allerdings die Fleischesser. Etwa 80 Prozent der weltweiten Sojaproduktion wird als Futtermittel in der Massentierhaltung verwendet. Allein für die deutsche Tierproduktion wird auf circa 2,8 Millionen in Übersee Hektar Soja angebaut. Nicht zuletzt als Agrotreibstoff gewinnt das aus der Bohne gewonnene Öl zudem an Bedeutung.

Der renommierte Umweltjournalist und ND-Autor Norbert Suchanek hat nun einen kleinen Band vorgelegt, in dem er kaum ein gutes Haar an der proteinreichen Bohne lässt. Überzeugend und anschaulich erzählt er von den negativen Folgen, die Soja und das dahinter stehende Produktionsmodell für Mensch und Natur haben. Jahrelang hat die Industrie ihr Produkt erfolgreich als gesundheitsfördernden Bestandteil einer bewussten Ernährung propagiert. Positive Effekte lassen sich jedoch kaum belegen, in vielen Fällen weist Suchanek sogar auf gegenteilige Wirkungen hin. So kann Soja unter bestimmten Bedingungen krank machen oder Allergien auslösen. Der Autor will die Bohne aber nicht grundsätzlich verdammen, »sondern sie wieder auf ihren rechten, eher bescheidenen Platz im menschlichen Nahrungsspektrum« rücken. Dazu stutzt er auch den populären Mythos zusammen, wonach Soja in Asien bis heute ein wichtiges Grundnahrungsmittel sei.

Lange bevor verbreitete Zweifel an der vermeintlich gesundheitsfördernden Wirkung des Sojas aufkamen, zeigte sich bereits die zerstörerische Kraft, die Soja in den Anbaugebieten entfaltet. An der schier unaufhaltsamen Ausbreitung des Sojanbaus in Brasilien beschreibt Suchanek beispielhaft die verheerenden Auswirkungen der Monokultur, deren Anbau sich nur in großflächiger und mechanisierter Landwirtschaft lohnt. Von Süden des Landes aus hat sich die Sojafront durch die artenreichste Savanne der Welt, den Cerrado, hindurch gefressen und reicht mittlerweile bis in den Urwald des Amazonas hinein. Auch anhand des Beispiels USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Soja-Supermacht aufstiegen, zeigt der Autor auf, dass vom Sojaanbau fast ausschließlich Großkonzerne wie Cargill oder ADM profitieren. Kleinbauern- und bäuerinnen sowie die Natur sind hingegen die Leidtragenden. Mittlerweile ist der Großteil des auf dem amerikanischen Kontinent angebauten Sojas genmanipuliert und gegen Herbizide resistent. Diese werden gemeinsam mit dem Saatgut im Paket von Biotech-Konzernen wie Monsanto und Syngenta geliefert, die somit zweimal abkassieren. Die Bilanz des großflächigen Soja-Anbaus beinhaltet die Verschmutzung von Flüssen und Böden. Der massive Pestizid- und Herbizid-Einsatz verursacht Krankheiten, Missbildungen und Todesfälle bei Menschen.

In dem sowohl im Umfang als auch im Format kleinen Buch steckt viel mehr als eine gelungene Einführung in den Themenkomplex Soja. Es ist eine gleichsam leidenschaftliche wie fundierte Kritik an einem Ernährungs- und Produktionsmodell, das irreversible Schäden anrichtet.

Norbert Suchanek: Der Soja-Wahn. Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät, oekom-Verlag, München 2010, 112 Seiten, 8,95 Euro.

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