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Lästermaul und Kodderschnauze

»Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte« von Joann Sfar

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 2 Min.

Er war ein Lästermaul und eine Kodderschnauze, eine Popikone und ein Frauenheld mit vielen Affären, Ehen und Kindern aus diversen Beziehungen, ein Sänger, der seine französische Wahlheimat mit einer Reggae-Interpretation der Marseillaise schockierte und selbst vor der Andeutung von Inzest mit seiner minderjährigen Tochter Charlotte (im Lied »Lemon Incest«) nicht zurückschreckte. Serge Gainsbourg, geboren 1921 als Lucien Ginsburg, Sohn russisch-jüdischer Revolutionsflüchtlinge, war Maler und Komponist, Sänger und Filmemacher, Poet, Provokateur und der Liebhaber von Diven.

Gainsbourg studierte an der Kunstakademie, schrieb Lieder für Juliette Gréco, Françoise Hardy, Isabelle Adjani, Catherine Deneuve – und für France Gall, der er mit »Poupée de cire, poupée de son« 1965 zu einem Eurovisions-Sieg und sich selbst damit zu einem Riesenhit verhalf. Er liebte Brigitte Bardot und wurde wiedergeliebt, aber weil sie noch mit dem deutschen Playboy Gunter Sachs verheiratet war, nahm er den für Bardot komponierten und getexteten Skandal-Song »Je t'aime, moi non plus«1969 nicht mit ihr, sondern mit der Britin Jane Birkin auf, die seine dritte Frau wurde.

Gainsbourg war ein Sprechsänger von der traurigen Gestalt, Kettenraucher – Gitanes ohne Filter aus der Bohème-blauen Packung natürlich, was auch sonst. Ein frühreifer Freund der Frauen, den seine Schulkameraden einst selbst als Mädchengesicht verlacht hatten. Ein malendes, musizierendes, dichtendes Multitalent, an dem der Selbsthass nagte. Ein Holocaust-Überlebender, den früh der Tod begleitete. Ein Stoppelbartträger, der nicht so alt wurde, wie er längst aussah, als ihn im Alter von nicht mal 63 Jahren 1991 der Alkohol zu Fall brachte.

Joann Sfar stammt wie Gainsbourg aus einer Familie mit russisch-jüdischem Hintergrund, wie Gainsbourg versucht er sich in vielen Medien. Er sei an Gainsbourgs Lügen interessiert gewesen, nicht an Faktentreue oder irgendeiner objektiven Wahrheit seiner Biografie, hat Sfar verlauten lassen. Und dafür dann doch eine recht konventionelle Filmbiografie seines provokanten, sich immer wieder neu erfindenden, dabei zeitlebens an seiner »Kohlkopffresse« leidenden Helden abgeliefert.

Von Sfars eigener Geschichte, seiner eigenen Kunst inspiriert ist vor allem die Schilderung der frühen Jahre. Wo Gainsbourg, ein frühreifer Bengel, sich als Allererster anstellt, um im okkupierten Paris seinen gelben Judenstern abzuholen. Wo er sich im Wald verstecken muss, als die Besatzer seine katholische Landschule nach versteckten Juden durchsuchen. – Éric Elmosnino gibt einen Gainsbourg, der seiner Vorlage mit dem Ablauf der Filmjahre immer ähnlicher sieht. Der Clou aber ist Laetitia Casta, eine schmollmündig-lodernde Brigitte Bardot.

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