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Ost-Landkreise auf dem Weg ins Hamburger Umland

Ludwigslust und Nordwestmecklenburg wollen in die hansestädtische »Metropolregion« – doch es gibt Widerstände in Schleswig-Holstein

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.
Schleswig-Holsteinische Landkreise blockieren die Aufnahme von Ludwigslust und Nordwestmecklenburg in die »Metropolregion Hamburg«. Im November wird entschieden.

Dass Teile von Mecklenburg-Vorpommern zum Hamburger Großraum gezählt werden können, ist in Wittenburg manifest: Die dortige Skihalle firmiert, seit sie der Tourismuskonzern van der Falk übernommen hat, als »Alpincenter Hamburg-Wittenburg«.

Was im Fall der Skihalle eine Frage der Marktpositionierung ist, soll nun strukturpolitisch Realität werden: Der Landkreis Ludwigslust, zu dem auch Wittenburg gehört, möchte Teil der »Metropolregion Hamburg« werden. Das hat der Kreistag nun bekräftigt: Mit großer Mehrheit wurde Landrat Rolf Christiansen (SPD) beauftragt, die Anträge zu stellen. Im November soll über sie entschieden werden.

Widerspruch gab es dabei kaum. Auch die Linkspartei im Kreisrat stimmte zu, so Fraktionschefin Helga Schwarzer. Eine engere Kooperation mit der »Metropolregion«, der neben der Hansestadt bisher elf Landkreise in Niedersachsen und Schleswig-Holstein angehören, sei förderlich für Gewerbe und Tourismus. »In Hamburg gibt es zum Beispiel Gewerbeflächenmangel und bei uns gute Angebote«, sagt Schwarzer. Auch könne innerhalb eines solchen Raumplanungsverbundes etwa die Schaalseeregion besser als Naherholungsgebiet für Hamburger bekanntgemacht werden. Zudem sei der Zusammenhang zwischen dem Kreis im Westen Mecklenburg-Vorpommerns und Hamburg längst Realität: »Wir haben schon jetzt sehr viele Pendler.«

Darüber hinaus geht es um Fördertöpfe: Der Planungsverbund »Metropolregion«, der die Beziehungen zwischen Großstadt und Umland zum beiderseitigen Vorteil ausbauen soll und dazu von den beteiligten Landesregierungen Gelder erhält, ist in Zeiten leerer Kommunal- und Kreiskassen auch insofern von Vorteil, als er etwa bei der Gegenfinanzierung von Bundes- oder EU-Programmen behilflich ist. Oft müssen die Gemeinden einen Eigenanteil leisten, ohne den das ganze Vorhaben nicht realisiert wird.

Schon seit 2003 ist Ludwigslust – zusammen mit dem Kreis Nordwestmecklenburg – »Gast« der Metropolregion. Dennoch ist kaum zu erwarten, dass Landrat Christansen mit seinem Beitrittsgesuch offene Türen einrennt: Insbesondere bei den Landkreisen in Schleswig-Holstein soll es Widerstände geben – und laut Satzung entscheidet die »Metropolregion« einstimmig über Aufnahmeanträge. Unlängst hat sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) persönlich für die Aufnahme eingesetzt: »Ich finde es sehr schade, wenn einige immer noch eine Grenze zwischen Ost und West ziehen«, sagte er in einem Interview.

Tatsächlich könnte es aber weniger um Ost-West-Probleme gehen als um Nord-Nord-Ärger: Schleswig-Holsteinische Landkreise hätten wohl die Befürchtung, dass etwa die Hansestadt Lübeck bei einer Erweiterung der Metro-polregion selbst einen Antrag stellen könnte – heißt es in Schwerin. genau könne man das aber nicht sagen, denn schließlich sei niemand aus dem Land bei diesen Gesprächen dabei.


Elf Metropolregionen

Unter einer Metropolregion versteht man mehr als eine Großstadt und ihren Speckgürtel (Agglomeration). Auch größere, ländliche Gebiete, die zur Metropole in Beziehung stehen, sind Teile der Metropolregionen.

  • In der Bundesrepublik wurden Metropolregionen erstmals 1995 durch die Ministerkonferenz für Raumordnung definiert. Es gibt derzeit elf deutsche Metropolregionen: Rhein-Ruhr, Berlin-Brandenburg, Frankfurt/Rhein-Main, Stuttgart, München, Nürnberg, »Sachsendreieck«, Hamburg, Hannover-Wolfsburg, Oldenburg-Bremen, Rhein-Neckar. Fast 58 der 82 Millionen Bundesbürger lebten 2006 in einer Metropolregion.
  • Metropolregionen versuchen, in einer gemeinsamen Planung der beteiligten Gebietskörperschaften, wirtschaftliche und kulturelle Funktionen zu bündeln. Dazu stellen Landesregierungen und Mitglieder auch gemeinsame Mittel zur Verfügung.
  • Zur Hamburger Metropolregion zählen die schleswig-holsteinischen Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg, Segeberg, Stormarn, Hzm. Lauenburg und die niedersächsischen Kreise Cuxhaven, Stade, Rotenburg, Harburg, Lüneburg, Soltau-Fallingbostel, Uelzen und Lüneburg. Die Mecklenburgischen Kreise Ludwigslust und Nordwestmecklenburg haben nur einen Beobachterstatus. ND

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