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Misstrauensbeweis

Sie nennen sich Iraq Body Count und haben sich genau der grausig-traurigen Aufgabe verschrieben, die ihr Name nahelegt: Sie zählen Körper, tote Körper von seit Beginn der US-Invasion 2003 durch kriegerische Gewalt in Irak ums Leben gekommenen Zivilpersonen.

Es gibt viele Gründe für engagierte Bürgerrechtler, so etwas zu beginnen. Der vielleicht wichtigste: Ihr Präsident, George Bush jun., hatte den Einmarsch von US-Truppen in das Zweistromland mit von A bis Z erlogenen Behauptungen gerechtfertigt. Warum also sollte die kritische Öffentlichkeit den vom Pentagon veröffentlichten Opferzahlen Glauben schenken? Und den vorläufig letzten Grund, hier Misstrauen walten zu lassen, lieferte die US Army am Freitag selbst. Sowohl irakische Politiker als auch Body Count halten die Pentagonzahlen über getötete Iraker für deutlich untertrieben.

Es spricht manches dafür, dass dieser Argwohn am Platze ist. Der Eindruck, dass die Army mit der Veröffentlichung allenfalls einer lästigen Gesetzespflicht nachgekommen ist, wird erhärtet durch die Tatsache, dass sie die Zahlen quasi heimlich ins Netz stellte, ohne Kommentar. Wer nach ihnen fragt, stößt auf geballte Ignoranz. Oder wie sonst soll man es bezeichnen, wenn ein Pentagonsprecher auf Nachfrage kundtut, er wisse nicht, ob auch Aufständische zu den getöteten Irakern gezählt worden seien. Mit der Wahl von Barack Obama, der sich einst gegen den Irak-Krieg erklärt hatte, war auch die Hoffnung verbunden, das Töten dort zu beenden. Im Pentagon ist dieser Gedanke nie angekommen. Dort ist man nicht einmal bereit, die Dimension des Grauens einzugestehen.

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