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Fabian Hambüchens Thron wackelt

Turnen: Bei den WM in Rotterdam wollen Matthias Fahrig und Philipp Boy erneut angreifen

  • Von Frank Thomas, dpa
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Thron des deutschen Vorturners Fabian Hambüchen wackelt. Der jahrelang unangefochtene Turn-König hat im eigenen Land starke Konkurrenz bekommen. Bei den gegenwärtigen WM in Rotterdam geht es für den 22-jährigen Wetzlarer nicht nur um ein erfolgreiches Comeback auf dem WM-Podium, nachdem er vor einem Jahr in London bei den WM gefehlt hatte, sondern auch um die Vorherrschaft in der eigenen Equipe.

Nach einigen Motivationsproblemen zu Beginn des Jahres war Hambüchen im April zwar eine wichtige Stütze des Gold-Teams bei den EM in Birmingham, doch der Hallenser Matthias Fahrig stahl ihm hier mit Gold am Boden und Silber beim Sprung die Schau. Und der Cottbuser Philipp Boy lag mit Bronze am Reck gleichauf mit Hambüchen, der mit 17 Medaillen (7/3/7) bei Olympia, WM und EM der erfolgreichste deutsche Turner aller Zeiten ist.

Im Teamwettbewerb ziehen sie alle an einem Strang

Im Teamwettbewerb, der für die deutsche Riege mit der Qualifikation erst am morgigen Dienstag beginnt, ziehen sie alle an einem Strang. Am Reck sind Hambüchen und Boy nun direkte Konkurrenten. »Sollten wir beide das Finale erreichen, wird das ein harter Fight. Da schenke ich niemandem was«, verkündete Boy. Auch Hambüchen scheint vorbereitet: Im Podium-Training zeigte er seine hochgradig schwierige Übung mit Ausgangswert 7,3 ohne Wackler.

Ein gutes Teamergebnis ist für Boy vor allem wichtig, weil sein Freund Marcel Nguyen in Rotterdam wegen Beinbruchs fehlt. »Nguyen, Fahrig und ich sind ein sehr enges Gespann. Hambüchen war bei den Vorbereitungen oft nicht dabei. Aber wir brauchen ihn. Wir möchten ihn nicht missen«, sagte Boy. »Wir wollen Fabian nicht aus dem Team rausturnen, aber man trainiert ja nicht, um Zweiter zu sein. Wenn wir weiter so machen, wird definitiv am Stand von Fabian gekratzt«, schlussfolgerte Boy und räumte ein: »Der Mythos Hambüchen, der sich hartnäckig in Deutschland hält, ist wirklich schwierig zu kippen.«

Erstmals als Sechskämpfer wird sich in der Ahoy-Arena von Rotterdam das Sprungwunder Matthias Fahrig präsentieren. »Um gleich mal klarzustellen: Ich möchte im Mehrkampf nicht Weltmeister werden. Ich bin eher das Kanonenfutter«, scherzte Fahrig, die Frohnatur aus Halle.

Zuvor hatte ihn Cheftrainer Andreas Hirsch erstmals für alle sechs WM-Geräte nominiert, während der Top-Allrounder Fabian Hambüchen wegen einer Entzündung der Achillessehne auf den Sechskampf verzichten muss.

Zeigt Fahrig am Boden seinen Twist-Salto?

Fahrig wird am Boden sein hochriskantes Element, dem er selbst den Namen gab, in der Qualifikation am Dienstag noch nicht präsentieren. »Wenn überhaupt, dann im Finale«, meinte der 24-jährige Boden-Europameister. Am Ende des Podium-Durchgangs in Rotterdam hatte er den Twist-Salto gebückt mit eineinhalb Schrauben versucht, doch brachte er ihn nicht in den Stand. Er muss ihn bei den WM zeigen, will er ihn schließlich als »Fahrig«-Patent anmelden.

Noch tief im Schatten von Hambüchen und Fahrig steht Philipp Boy, obwohl er seit 2006 der Riege angehört. »Ich bin in Form wie noch nie«, sagte der Cottbuser, »aber wenn ich jetzt einen starken Mehrkampf turne, dann heißt es doch wieder: Na ja, Hambüchen war ja nicht dabei.«

Russlands Frauenteam liegt zum Auftakt vorn

Zum Auftakt der Qualifikation übernahm bei den Frauen nach neun von 12 Gruppen (die ersten Acht ziehen ins Finale ein) der Team-Europameister Russland mit 234,521 Punkten die Führung. Die Russinnen bestachen dabei am Sonnabend durch enorme Stabilität und avancierten damit zu einem der Titelfavoriten für das Team-Finale am Mittwoch.

Am gestrigen zweiten WM-Tag schoben sich die USA – 2007 in Stuttgart Weltmeister – auf Rang drei. Die Riege um die Mehrkampf-Weltmeisterin Bridget Sloan lag mit 233,643 Punkten nur knapp hinter dem zweitplatzierten Olympiasieger China (233,778). Die deutschen Frauen um die 35-jährige Olympiazweite Oksana Tschussowitina (Köln) griffen erst am Sonntagabend (nach Redaktionsschluss) in der elften und vorletzten Vorrundengruppe ins WM-Geschehen ein.

WM-Zeitplan

  • Sonntag: 18.00 Uhr (nach Red.- Schluss) Frauen; Qualifikation (Gruppe 11: Mexiko, Deutschland, Norwegen, Venezuela).
  • Dienstag: 20.00 Uhr Männer; Qualifikation (Gruppe 10: Deutschland, Puerto Rico, Israel, Ukraine, Usbekistan).
  • Mittwoch: 17.00 Uhr Frauen, Mannschaftsfinale.
  • Donnerstag: 17.00 Uhr Männer, Mannschaftsfinale.
  • Freitag: 16.00 Uhr Männer, Mehrkampffinale, 19.30 Uhr Frauen, Mehrkampffinale.
  • Sonnabend: 13.00 Uhr Gerätefinals Frauen (Sprung, Schwebebarren) und Männer (Boden, Seitpferd, Ringe).
  • Sonntag: 14.00 Uhr Gerätefinals Frauen (Schwebebalken, Boden) und Männer (Sprung, Barren, Reck).

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