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Komödie in Schwedt

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Es sei das Buch zur großen rbb-Fernsehdokumentation »20 mal Brandenburg«, wirbt der Verlag. Doch inhaltlich hat es nichts zu tun mit den 20 Streifen, die unter der künstlerischen Leitung von Regisseur Andreas Dresen entstanden und am 1. Oktober ausgestrahlt worden sind.

In dem Buch »20 mal Brandenburg« widmet sich Schriftsteller Rolf Schneider Künstlern wie Hedwig Bollhagen, Theodor Fontane und Gottfried Benn sowie Politikern wie Walter Rathenau, Städten und Landschaften und der Geschichte, vorzugsweise der preußischen Historie. Was er so notiert, weiß man. Es sind die üblichen Themen, die gängigen Anekdoten über Brandenburg. Was macht das Buch empfehlenswert? Es ist die Art der Darbietung. Rolf Schneider plaudert, aber ohne dabei oberflächlich zu werden. Man kennt das alles – zum Beispiel das Kapitel über den Fürsten Pückler sogar aus einem anderen Buch von Rolf Schneider –, und doch: man liest es gern noch einmal.

Gebürtiger Brandenburger ist der Autor nicht. Er gibt es gern zu. Geboren ist er 1932 in Chemnitz. Aber gelebt hat er lange hier, kurz vor der Berliner Stadtgrenze. In Schwedt recherchierte er einst für eine Komödie. Das Stück handelte vom Entstehen eines Chemiewerks in einer zuvor »gottverlassenen Gegend«, erinnert sich Schneider. »Es war einer meiner Versuche, die Wirklichkeit im ostdeutschen Staat so wiederzugeben, wie sie tatsächlich war, und nicht so, wie die herrschende Politbürokratie sie zu sehen wünschte.« Also habe er lauter Geschichten von Unglück und Scheitern erzählt. Weil es eine Komödie gewesen sei, »kam die Sache durch und wurde viel gespielt«. Allerdings in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt erst vor drei Jahren. Als Zuschauer habe er neben dem früheren Intendanten des Hauses gesessen. Der habe ihm stockend berichtet, wie er in der DDR die Absicht hatte, das Stück spielen zu lassen. Es sei ihm verboten worden, »da der Autor politisch missliebig sei«. Schneider kommentiert: »Ich vernahm es achselzuckend.«

In »20 mal Brandenburg« berichtet der Schriftsteller ohne sichtbares Bedauern vom Scheitern der DDR. Er berichtet allerdings auch von Problemen und zerstörten Hoffnungen nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die schrumpfende Stadt Schwedt darf ebenso als Beispiel dafür gelten wie die gescheiterte Chipfabrik in Frankfurt (Oder).

Rolf Schneider: »20 mal Brandenburg«, be.bra verlag, 200 Seiten (geb.), 19,95 Euro, ND-Bestellservice, Tel.: (030) 29 78 17 77

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