Marcus Meier 29.10.2010 / Kolumnen

Selbstmorde trotz »grünem« Apfel

Aus gegebenem Anlass: Ein Blick auf die öko-sozialen Schattenseiten der bunten digitalen Welt

Einige deutsche Unternehmen müssen ihre Produktion einschränken – weil ihnen die Hightech-Metalle ausgehen. Doch drohende Rohstoffknappheit ist nicht das einzige Problem der IT-Industrie: Die Arbeitsbedingungen sind übel, die Energieverschwendung ist enorm und giftige Chemikalien belasten die Umwelt.

Auch Apfelrechner sind keine Naturprodukte!
Es muss wohl viel geschehen, wenn ein (halbwegs kluger Gedanken ansonsten unverdächtiger) FDP-Wirtschaftsminister betont, wie wichtig es sei, Rohstoffe klüger wieder zu verwerten. »Recycling ist wichtigste heimische Rohstoffquelle«, sagte Rainer Brüderle unlängst auf einem Rohstoffkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Dazu müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Also: Mehr staatliche Regulation! Doch die BDI-Leute, ansonsten eher als Freunde des Marktes bekannt, protestierten nicht. Seit Jahren warnen sie: Die Versorgung mit Rohstoffen sei von »strategischer Bedeutung für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland«. Allerdings gebe es dabei erhebliche Probleme. In ihrer Verzweiflung riefen die BDI-Oberen bereits 2007 nach – Achtung: – ausgerechnet dem Staat, der ansonsten, zusammen mit den Gewerkschaften, für alle Übel der Welt, mindestens aber den drohenden Untergang deutscher Firmen verantwortlich gemacht wird. Aktueller Anlass der Brüderle-Initiative: »Deutschen Firmen gehen Hightech-Metalle aus«, so eine SPIEGEL-ONLINE-Überschrift. Erste Firmen in Deutschland bekämen keine Metalle für die Hochtechnologie mehr geliefert, »die sogenannten Seltenen Erden sind ihnen ausgegangen«. SPON: weiter: »Die Betriebe werden ihre Produktion vermutlich einschränken müssen.« Zitiert wird der Geologe Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: »Wir stehen am Beginn einer Versorgungskrise«. Rohstoffknappheit: Wann ist die Party vorbei? Die Seltenen Erden sind unverzichtbar für viele Produkte, darunter Computer, Handys, Autos, Rüstungsgüter. 97 Prozent der Hochtechnologie-Rohstoffe werden in China gefördert. Doch China schränkt die Ausfuhr ein, um seine Ressourcen zu schonen. Will meinen: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht braucht seine Ressourcen selbst. Die Frage ist: Wie lange reichen sie aus, um den hungrigen und immer größer werdenden Marktmagen zu sättigen? Und: Wie lange werden wir es uns leisten können, im Zwei-Jahres-Takt immer neue Smartphones, Tablet-Computer, Laptops und Schreibtisch-PCs zu kaufen? Dass für den in der Handyproduktion bisher unverzichtbaren Rohstoff Coltan blutige Kriege angeheizt werden, kann der westliche Konsument getrost ignorieren (es sterben ja »nur« Afrikaner). Wenn aber all die wichtigen Rohstoffe ausgehen oder extrem teuer werden – dann ist die Party vorbei. PC-Produktion: Enormer Energie- und Rohstoffverbrauch Die Produktion von Computern und anderer IT-Komponenten ist äußerst energie- und materialintensiv. Beim Bau eines durchschnitllichen PC werden 22 Kilogramm oft hochgiftige Chemikalen verarbeitet, dazu über neun Kilogramm meist energieintensiver Metalle wie Stahl und Kupfer, schließlich werden 240 Kilogramm fossiler, also klimaschädlicher Brennstoffe verfeuert.

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