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Auf der Suche nach Anhalt

2012 steht in Magdeburg ein 800. Jubiläum an. Doch wo ist der Jubilar?

  • Von Karsten Wiedener, epd
  • Lesedauer: 3 Min.

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In Sachsen-Anhalt soll im Jahr 2012 das 800. Gründungsjubiläum des heutigen Landesteils Anhalt gefeiert werden. Doch von einstigen Herrschaftsgebilde Anhalt ist nicht mehr viel zu erkennen. Den historischen Grenzen entspricht einzig noch die Evangelische Landeskirche Anhalts.

Magdeburg. »Zwingermauer« steht auf einem Schild, anderswo »Kapelle« und auf einer anderen Tafel »Halsgraben«. Fantasie ist nötig, um sich zwischen Gestrüpp und Pfaden die einst mächtige Burg Anhalt im Harz vorzustellen. Auf ihren Namen aber geht ein Herrschaftsgebilde zurück, von dem über Jahrhunderte kulturelle Impulse auf ganz Europa ausstrahlten. In Sachsen-Anhalt soll 2012 das 800. Gründungsjubiläum des heutigen Landesteils gefeiert werden, auch wenn von dem im Jahr 1945 aufgelösten Gebiet wie von der Burg nicht mehr viel zu erkennen ist.

Der Bär im Wappen

Erhalten blieben auf den ersten Blick nur die Hälfte des Bindestrich-Namens, der Bär im Landeswappen oder das Vorkommen in der Bezeichnung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Etwas mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung in Sachsen-Anhalt leben in dem Gebiet zwischen Harz und Fläming. Den historischen Grenzen entspricht einzig noch die Evangelische Landeskirche Anhalts. Mit rund 46 000 Mitglieder gehören ihr 17 Prozent der Einwohner an.

Kirchenpräsident Joachim Liebig verspricht sich von dem Jubiläum auch einen Schub für die Bindung der Bevölkerung an ihr Bundesland. Anhalt habe als traditionsreiche Mittelregion eine bedeutende Brückenfunktion – umso mehr, weil sich noch nicht alle Menschen bewusst mit dem jungen Land zu identifizieren vermögen, sagt er. Viele würden sich eher einer bestimmten Region zugehörig fühlen.

Auftakt im Fernsehen

Zwar sei das »Anhaltische« von der Anhalt-Bäckerei bis zum Anhaltischen Theater und natürlich der Landeskirche an vielen Stellen präsent. Politisch spiele Anhalt aber kaum noch eine Rolle, räumt Liebig ein. Desto wichtiger werde es sein, 2012 die historischen Leistungen die von diesem »kleinen, aber feinen Land ausgingen«, zu würdigen. Gewissermaßen als Auftakt dafür sah Liebig den ARD-Fernsehgottesdienst zum Reformationstag an, der diesmal aus dem anhaltischen Wörlitz übertragen wurde.

In seiner Predigt sprach er die geistesgeschichtlichen Fragen an, die mit der Entwicklung Anhalts verbunden sind. Dazu gehört die Aufklärung, die mit Fürst Franz und seinem Dessau-Wörlitzer Gartenreich für ganz Europa Impulse setzte. Es ist ebenso UNESCO-Weltkulturerbe wie die in der Weimarer Republik entstandenen Dessauer Bauhausgebäude.

Anhalt wurde 1212 ein selbstständiges Territorium, nachdem Herzog Bernhard in Bernburg gestorben war. Seine Herrschaftsansprüche gingen auf seine Söhne über, wobei Albrecht das Herzogtum Sachsen und der ältere Heinrich die Grafschaft Anhalt bekam. Der Name war der Burg entlehnt, auf der die Fürsten zeitweise residierten. Immer wieder kam es danach zu Zersplitterungen durch Erbteilungen. Die anhaltischen Gebiete waren stark von einer bäuerlichen Wirtschaft geprägt. Von 1918 an trug Anhalt die Bezeichnung Freistaat. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte nach mehr als sieben Jahrhunderten der eigenständigen Existenz die Vereinigung mit Sachsen zur Provinz Sachsen-Anhalt, die sich 1947 in ein Land umwidmete. Fünf Jahre später wurden in der DDR mit Gründung der Bezirke die Länder von der Karte gelöscht.

Kirchentag in Ballenstedt

Aus Sicht der heutigen Landesregierung Sachsen-Anhalts soll Anhalt 2012 »als ein unverzichtbares Stück Heimat« würdig gefeiert werden, auch wenn die Region im staatlichen Sinne nicht mehr existiert, betont die Staatskanzlei. Eine Förderung erfolgt für einzelne Vorhaben wie etwa eine geplanten Wanderausstellung und eine zentralen Präsentation in Dessau. Die Landeskirche will sich unter anderem mit einem Chortreffen von 800 Sängern sowie dem neunten Anhaltischen Kirchentag in Ballenstedt nahe der Burg im Selketal beteiligen.

Als ihr Erbauer um das Jahr 1123 gilt Otto der Reiche aus Ballenstedt. Kurze Zeit später wurde die Anlage bei einer Fehde zerstört, aber Mitte des 12. Jahrhunderts wiedererrichtet. Die neue Burg, die in Größe und Aussehen der Eisenacher Wartburg ähnelte, blieb jedoch nicht lange bewohnt. Bereits im 15. Jahrhundert begann der Verfall.

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