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Runder Tisch als Marketinginstrument?

Greenpeace: Zusammenschluss für nachhaltiges Palmöl ist reines »Greenwashing«

Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) will nach eigenen Angaben die massive Regenwaldzerstörung für das Produkt stoppen. Dafür arbeiten Firmen und Umweltverbände zusammen. Kritik kommt von Greenpeace: Demnach sitzen die schlimmsten Regenwaldzerstörer mit am Tisch – und machen weiter wie bisher

»Wir brauchen einen profitablen, aber auch nachhaltigen Palmölmarkt«, fasste Merlin Koene, Kommunikationsdirektor von Unilever Deutschland, die Ziele des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) zusammen. Vergangene Woche trafen sich RSPO-Mitglieder in Neuss.

Das Problem, das auf der Tagesordnung stand, ist in der Tat massiv: So wird in Indonesien in jeder Minute eine Regenwaldfläche gerodet, die fünf Fußballplätzen entspricht. Knapp die Hälfte davon für Palmölplantagen. Dabei wird die komplette Vegetation zerstört. Viele der Plantagen entstehen auf Torfböden, die große Mengen Kohlendioxid speichern. Das Treibhausgas wird in die Atmosphäre entlassen. Deswegen steht Indonesien auf Platz drei der klimaschädlichsten Länder des Planeten, direkt hinter den USA und China.

Palmöl ist ökonomisch im Anbau (gemessen am Ertrag pro Hektar), es verfeinert viele Nahrungsmittel, ist Bestandteil von Kosmetika, kommt als Biotreibstoff zum Einsatz. »Es gibt keine Alternative zu Palmöl«, sagt auch Carry Svingen, die für Märkte und Kommunikation zuständige Managerin der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Natur (WWF). Der WWF sitzt mit am RSPO-Tisch – federführend für Teile der Ökoverbandsszene. Denn: »Das Problem ist nicht das Palmöl, sondern die Art wie es hergestellt wird.«

Nachhaltigkeit – das steht für den harmonischen Dreiklang ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Erfordernisse. Doch wirklich hart sind die Nachhaltigkeitskontrollen von RSPO nicht, das wurde deutlich. So kritisierte RSPO-Vorstand Johan Verburg, dass bisher erst rund die Hälfte der RSPO-Unternehmen den jährlich fälligen Fortschrittsbericht vorlege. So sei keine Transparenz möglich, monierte der Aktivist der Entwicklungsorganisation Oxfam. Vielmehr könnten diese Firmen mit Hilfe von RSPO »reines Greenwashing« betreiben, sich also faktenwidrig als umweltbewusst darstellen. RSPO solle sie entweder richtig an Bord holen oder »loswerden«. Grundsätzlich ist der Runde Tisch für Verburg aber eine gute Sache.

Im Gegensatz zu Oxfam oder dem WWF sitzt Greenpeace nicht mit am Tisch. »RSPO ist für die meisten Unternehmen ein reines Marketinginstrument«, sagt Corinna Hölzel, Campaignerin für Wald und Biodiversität. Deutsche Unternehmen, die Palmöl abnehmen, darunter die REWE Group, »wollen aus der Schusslinie geraten, nicht mit Regenwaldzerstörung in Zusammenhang gebracht zu werden«. In RSPO organisiert seien auch Palmölproduzenten, »die für illegale Rodungen verantwortlich sind«. Nie seien sie gemaßregelt oder bestraft worden. Auch weiter dürften RSPO-Mitglieder offiziell in den Regenwald expandieren, dorthin, »wo der größte Profit zu machen ist«. Denn der RSPO kümmere sich nur um als besonders schützenswert klassifizierte Regenwaldgebiete. Betreibt RSPO also »Greenwashing«? »Das kann man so sagen«, so Hölzel.

Es ist ein »Greenwashing« mit dem Segen von Oxfam und WWF: Die Nichtregierungsorganisationen sind dabei, wenn fragwürdigen Konzernen das Siegel der »Nachhaltigkeit« erteilt wird. Zwar werden auch Unternehmen der ökologischen Landwirtschaft von RSPO zertifiziert. In der Regel jedoch geht es um den konventionellen Anbau inklusive Giftspritze.

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