Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Blutbad bei der Abendmesse

Mindestens 58 Menschen starben in katholischer Kirche in Bagdad / Al Qaida bekennt sich

Bei einem Geiseldrama in einer katholischen Kirche in Bagdad starben mindestens 58 Menschen. Ein Vertreter des irakischen Innenministeriums sagte am Montag, bei der Erstürmung der Kirche seien 46 Gottesdienstbesucher, sieben Sicherheitskräfte und fünf der Geiselnehmer gestorben. 60 Menschen wurden verletzt, 20 schwer.

Bagdad/Berlin (Agenturen/ND). Schwer bewaffnete und uniformierte Kämpfer waren am Sonntagabend in der irakischen Hauptstadt während des Gottesdienstes in die syrisch-katholische Kirche im Stadtteil Karrada eingedrungen und hatten die dort versammelten Gläubigen in ihre Gewalt gebracht. Sicherheitskräfte stürmten daraufhin die Kirche.

Die Polizisten hatten vergeblich versucht, die Christen zu befreien. Doch als sie die Kirche stürmten, zündeten die Terroristen ihre Sprengstoffgürtel. Laut einem Bericht, den eine der Geiseln per Handy an eine irakische Agentur durchgab, begann der Albtraum für die Besucher der Abendmesse, als auf der Straße vor dem Gotteshaus eine Bombe detonierte, die mit einem Magneten an einem Auto befestigt worden war. Kurz darauf explodierte dann ganz in der Nähe eine größere Autobombe und mehrere schwer bewaffnete Geiselnehmer stürmten in die Kirche. Die Terroristen trieben die Gläubigen in ein kleines Zimmer, dessen Türen und Fenster sie blockierten. Dann fiel der Strom aus.

Iraks Verteidigungsminister Abdel Kader al-Obeidi hatte die Befreiungsaktion am Sonntagabend als »erfolgreiche Operation« bezeichnet. Er sprach außerdem von einer »begrenzten Anzahl von Opfern«. Der Minister betonte, es sei unbedingt notwendig gewesen, schnell zu handeln, da die Terroristen beabsichtigt hätten, möglichst viele Geiseln zu töten.

An der Befreiungsaktion waren offenbar auch US-Soldaten beteiligt, ihre Rolle war aber zunächst unklar. Eine befreite Geisel sagte der Nachrichtenagentur AFP, die US-Soldaten hätten die Kirche zuerst gestürmt. Auch ein Mitglied der irakischen Antiterroreinheit bestätigte den Einsatz von US-Soldaten. Dagegen sagte ein Sprecher der Einheit, es hätten nur irakische Sicherheitskräfte an der Aktion teilgenommen. Zu dem Überfall bekannte sich der Al-Qaida-Ableger »Islamischer Staat Irak«. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, erklärte die radikalislamische Bewegung, eine »Gruppe wütender Gotteskrieger« habe die Kirche überfallen, die »schon immer von den Christen in Irak als Hauptquartier für den Kampf gegen den Islam« genutzt worden sei.

In der Erklärung stellte die Terrorgruppe zudem laut SITE der koptischen Kirche in Ägypten eine 48-stündige Frist, um muslimische Frauen freizulassen, die »in Klöstern des Unglaubens und Kirchen des Götzendienstes gefangen« seien. Dabei soll es sich um die Frauen zweier koptischer Priester handeln, die angeblich zum Islam übergetreten waren.

Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Geiselnahme als Akt »absurder und grausamer Gewalt« gegen »wehrlose Menschen«. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verurteilte den Angriff als »mörderischen Fanatismus«. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte in Berlin, die Bundesregierung sei »entsetzt und traurig« über den »Terroranschlag«. Der Angriff zeige, wie gefährlich das Leben der Christen in Irak sei.

In Irak lebten vor der US-Invasion vom Frühjahr 2003 rund 1,5 Millionen Christen. Mehr als die Hälfte von ihnen ging seither ins Exil, um der Verfolgung durch Terroristen zu entgehen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln