Strippenzieher

John Boehner / Als neuer Sprecher des Repräsentantenhauses Obamas härtester Widersacher

Er gab sich ganz staatsmännisch nach dem Triumph und nannte die Sanierung des Haushalts, Ausgabenkürzungen und die Reduzierung staatlicher Aufgaben als Prioritäten der künftigen Mehrheitspartei im Repräsentantenhaus. Dies sei auch die Grundlage für eine Kooperation der Republikaner mit dem Präsidenten. »Soweit er bereit ist, dies zu tun, wollen wir mit ihm zusammenarbeiten«, sagte John Boehner. Der konservative Fraktionschef, künftig Sprecher der ersten Kongresskammer, wird der größte Widersacher Barack Obamas und einer der mächtigsten Politiker in den USA sein, laut Verfassung die Nr. 3 im Staate. Ein Job, den er kennt, denn 2006 war Boeh-ner schon einmal für einige Monate Mehrheitsführer.

Der 60-Jährige aus dem ländlichen Südwesten Ohios zeigt sich stets edel gekleidet und dank Solarium tief gebräunt. Doch betont er gern, dass er sehr gut wisse, wie es dem einfachen Amerikaner geht. Schließlich sei er als eines von zwölf Kindern gleichsam in der Kneipe seiner Eltern im Arbeiterstadtteil von Cincinnati aufgewachsen, habe sich als kleiner Unternehmer durchgeschlagen und heute zwei Brüder und zwei Schwager ohne Arbeit. Wobei zur ganzen Wahrheit gehört, dass der seit vier Jahrzehnten verheiratete Vater zweier Töchter mit seiner Verpackungsfirma Millionen verdiente.

Boehner sitzt seit fast 20 Jahren im Kongress und begann als rechte Hand des schillernden Newt Gingrich. Er machte sich als Spendensammler – besonders enge Kontakte pflegt der Kettenraucher zur Tabaklobby – und kompromissloser Mr. No gegenüber den Reformbemühungen der Demokraten unter Obama einen Namen: kein Vordenker, aber ein gewiefter Strippenzieher hinter den Kulissen, der alle parlamentarischen Tricks kennt.

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