Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Festival Kreationen

Ein Gespenst geht um

Berliner Puppenspieler können sich mit ihren Produktionen sehen lassen, ist das Fazit des auch von »Neues Deutschland« unterstützten diesjährigen Festivals für diese Theaterkunst in der Schaubude an der Greifswalder Straße. Acht Stücke für Erwachsene hatten an den sieben Festivaltagen Premiere in dem kleinen Theater. An jedem Abend war das Haus ausverkauft. Die Schaubude spricht von einem Besucherrekord.

Das Besondere dieses Festivals ist, dass die schönsten Festivalproduktionen in der aktuellen Spielzeit 2010/2011 noch für viele Zuschauer im Abendprogramm zu erleben sein werden. Und bereits am 21. November ist »Peanuts!«, eine Adaption des Märchens von der »Prinzessin auf der Erbse«, beim Wochenende mit Schäfer-Wagner-Produktionen auf dem Programm.

Im Januar und Februar geht es sechs Mal um »Tage, wo überall Feinde lauern«. Es wird zwei Mal zum Stück »Frühstück Sprelacart« eingeladen. Auch »Anubis«, der Wächter der Totenriten, kommt zwei Mal aus dem Totenreich über den Fluss. Um das »Projekt Z.«, eine provokative Umsetzung des Stücks »Zirkus Šardam« von Daniil Charms mit Figurentheater, Artistik und Live-Musik zu sehen, bekommen Neugierige sogar acht Mal im April und im Mai Gelegenheit. Das Stück sorgte beim Festival für unglaubliche Überraschung.

Mit »Auf nach La Mancha« endete die Leistungsschau der Berliner Puppenspielerinnen und Puppenspieler. Wenn diese originelle Arbeit der Gruppe Kaufmann & Co im Februar wieder in der Schaubude auf der Bühne sein wird, dann ohne das Premierenfieber sicher noch pointierter. Die Puppenspielerinnen Eva und Alexandra Kaufmann nehmen hier mit Verve den Kampf mit Gegnern von Fantasie und Kreativität auf. Ihre Helden sind allesamt in einer Psycho-Klinik bei Dr. Belzig gelandet. Ohne jegliche Skrupel operiert die Ärztin Wissen, Wünsche und Träume aus den Figuren heraus und entsorgt Gefundenes nach Möglichkeit. »Fantastaktomie« nennt sie den Eingriff. Was noch herumlaufen kann, verliert seinen Namen und bekommt eine Nummer.

Aus dem Körper von Herrn von Frankenstein, der immerfort aufgeregt von einem Ritter geredet hatte, befördert sie Rotkäppchen, Obelix und einen älteren Herrn, der aussieht wie Karl Marx. Der Alte schlafwandelt mit nach vorn gestreckten Armen und redet dabei. Die anderen laufen nachts hinterher und sprechen seine Sätze aus dem Kommunistischen Manifest schon mit. Wenn sie dem Schlafwandler ein Tuch überwerfen, um ihn vor der herrschsüchtigen Ärztin und ihrem Spitzel zu verbergen, muss zwangsläufig der Satz kommen: »Ein Gespenst geht um...«

Don Quijote wird dann auch noch zutage gefördert. Und das ist nicht die letzte Überraschung in dem ulkigen Seelenwanderungsspiel mit viel Hintersinn.

Die zum Festival begonnene Ausstellung »voss plakatet« im Foyer der Schaubude bleibt bis zum Spielzeitende und erinnert an so manche Puppenspieltheaterproduktion vergangener Jahre. Der Künstler Robert Voss aus Halle lieferte zur Eröffnung der Schau einen Dialog mit einem früheren Aussteller seiner Arbeiten mit. Darin wurden Nachdrucke gefordert. Wo denn die vielen gelieferten Plakate hin seien, fragte der Künstler nach. Man hätte dauernd neue aufhängen müssen, sie seien alle weg, sagte der Aussteller. Alle geklaut.

Schaubude, Greifswalder Str. 81, Prenzlauer Berg, Tel.: 423 43 14, www.schaubude-berlin.de

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln