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Historische Tage im Saal 600

Der Ort der Nürnberger Prozesse wird Teil eines neuen Museums mit Dauerausstellung

  • Von Jutta Olschewski, epd
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Schwurgerichtsaal 600 im Nürnberger Justizgebäude soll am 21. November Teil eines neuen Museums werden. Die Museen der Stadt Nürnberg stellten dieser Tage die Eckpunkte der geplanten Dauerausstellung »Memorium Nürnberger Prozesse« vor, die hauptsächlich im Stockwerk über dem historischen Saal auf einer Fläche von 750 Quadratmetern untergebracht sein wird.

Nürnberg. Der Saal 600 im Nürnberger Justizgebäude dürfte der bekannteste Gerichtssaal der Welt sein. An 218 Prozesstagen verhandelte hier von November 1945 bis Oktober 1946 ein Gericht der alliierten Siegermächte Verbrechen des Nazi-Regimes. 21 Männer, die in den zurückliegenden zwölf Jahren Schreckensherrschaft führende Rollen innehatten, saßen auf den Anklagebänken. Am 21. November wird dieser Schwurgerichtssaal Teil eines neuen Museums in Nürnberg. Die Museen der Stadt stellten dieser Tage die Eckpunkte der geplanten Dauerausstellung »Memorium Nürnberger Prozesse« vor, die hauptsächlich im Stockwerk über dem historischen Saal auf 750 Quadratmeter untergebracht sein wird.

Schwitzen unter Leuchtern

Es muss dicke Luft geherrscht haben in diesem Schwurgerichtssaal. Unter den starken Leuchtern für die Filmaufnahmen schwitzten meist etwa 350 Prozessbeteiligte, Richter, Berichterstatter, Zeugen und die Angeklagten, unter ihnen der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring, der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß und der Herausgeber des Hetzblattes »Der Stürmer«, Julius Streicher.

Die damalige Enge kann man nur erahnen, wenn man von der neuen Ausstellung aus durch eines von vier kleinen Fenstern in den historischen Ort hinuntersieht. »Heute wirkt der Saal würdig, damals war er vollgesteckt mit Leuten«, erklärt Hans-Christian Täubrich, der Leiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände. 42 Prozessbände füllen die Akten der »Nürnberger Prozesse«. Für das neue Museum stand das Team der Ausstellungsmacher vor der Aufgabe, die Fülle des Materials einem Weltpublikum zugänglich zu machen. Dabei galt es, historisch und juristisch komplizierte Sachverhalte darzustellen. Die Schautafeln und der Audio-Guide werden den Besuchern unter anderem erklären, warum es zu den »Nürnberger Prozessen« kam und wie die Angeklagten in die Hände der Alliierten gerieten.

Schließlich wird aber auch gezeigt, dass in den »Nürnberger Prozessen« erstmals auf völkerrechtlicher Basis Staatsverbrecher zur Rechenschaft gezogen wurden. Erst 50 Jahre später, so Täubrich, sei diese Idee mit den Ad-hoc-Prozessen zu den Verbrechen im Jugoslawienkrieg und dem Tribunal nach den Massakern in Ruanda umgesetzt worden. »Ohne die Nürnberger Prozesse gäbe es den Internationalen Gerichtshof in Den Haag nicht.«

Pulsierende Gestaltung

Inspiriert von einem bekannten Foto, auf dem die Sekretärinnen der Nürnberger Prozesse bis über die Knöchel in einem Papiermeer stehen, hat die Gestalterin Monika Müller-Rieger eine pulsierende, sich bewegende Gestaltung erdacht. Je weiter man im Memorium in die neuere Zeit fortschreite, umso ruhiger werde schließlich das Ambiente.

Noch sind die Handwerker dabei, die Texttafeln und vielen Bild- und Tonstationen in das neue Museum einzubauen. Am 21. November werden zur Eröffnung der Ausstellung der russische Außenminister Sergej Lawrow und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) anreisen. Ob möglicherweise US-Außenministerin Hillary Clinton kommt und wer die alliierten Staaten England und Frankreich vertritt, wollte der Direktor der Museen der Stadt Nürnberg, Matthias Henkel, zunächst noch nicht verraten.

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