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English Theatre

Machtwechsel

Wenn man dem britischen Autor Howard Barker nachsagt, er halte es mit der klassischen Tragödie, dann lässt sich dies in »Deep Wives, Shallow Animals« an der Art des Spielens und der Charaktere der handelnden Personen gut erkennen. Alle Begierden und Gemeinheiten – und davon gibt es reichlich – werden ohne Umschweife ausgesprochen. Nichts kommt von hinten durch die kalte Küche. Die Situation ist brisant. Damit zeigt sich dann die zweite Eigenheit von Howard Barkers Bühnenstücken. Seine Liebe gehört dem »Theatre of Catastrophe«. Seine Stücke seien von derart fragwürdiger Moral und so gewalttätig, wie das Theater gerade noch sein könnte, ohne auf das Publikum zu schießen, urteilte »The Guardian«.

So schlimm kommt es hierzulande nicht an, obwohl Regisseur Patrick Verschueren in seiner Inszenierung den Intentionen des Autors durchaus folgt. Das englischsprachige Stück hatte im Acud-Theater seine erfolgreiche Premiere und wird nun in einigen Vorstellungen im English Theatre gezeigt.

In »Deep Wives...« gerät eine Gräfin in eine unangenehme Lage. Ihre Dienerschaft – hier dargestellt durch eine Zofe – hat im Palast die Macht an sich gerissen und der Dame Hausarrest verordnet. Nun soll es ihr an die Wäsche gehen. Die Dame soll sich unterwerfen. Seelische wie körperliche Demütigung gehören zum perfiden Plan, dessen Krönung darin besteht, dass der Mann der Zofe Herr der Gräfin werden soll. Es ist eine Nacht zum Heulen. Nicht nur für Wölfe.

Zur Kulisse gehört ein Fenster, durch das ein Untier mit rot leuchtenden Augen drohend blickt, bevor es ins Haus eindringt. Mit diesem einem Wolf ähnlichen schwarzen Viech schafft der Regisseur einen überraschend komischen Aspekt, der scheinbar der Handlung entgegensteht. Letztlich setzt er jedoch damit der Wirkung des Stücks noch eins drauf. Dieses Untier soll den körperlichen Unterwerfungsakt vollziehen.

In seinen dem Wolf nachempfundenen Bewegungen präzise von Bruno Rochette hinter der grausigen Maske gespielt, ist das Tier aber längst nicht so gefährlich wie die zwei Weiber. Denn das Wesen ordnet sich – den Wolfsgesetzen folgend – immer der jeweils stärkeren der Frauen unter, wird zu ihrem »Werkzeug«. Die roten Augen leuchten dann jeweils im Rhythmus ihrer Sprache auf. Das hat Witz.

Die beiden Frauen werden von Natasha Mashkevich und Delphine Ledoux sehr gut gespielt. Die beiden schenken sich nichts. Hart sind ihre Auseinandersetzungen. Abwechselnd greifen sie sich verbal und auch körperlich an. Sehr gut inszeniert und gespielt ist, wie sie abwechselnd ihre Macht auskosten, um die andere zu erniedrigen. Die Machtwechsel sind interessant aufgebaut. So ist zu erleben, wie sich die zunächst durch die Umstände völlig hilflose Gräfin auf ihren Stolz besinnt und sich ihre Würde zurückholt, um danach emotional wieder zusammenzubrechen. Auch die anfangs die Herrschaft genießende Zofe zeigt schwache Momente. Überdies gibt es Situationen, in denen sich die Frauen durchaus einig sind und zu Komplizinnen werden.

Faszinierend, dass man nie weiß, was gleich geschehen wird. Das Wechselspiel der Macht vollzieht sich mehrmals in den 90 Minuten des Stücks. Kurz vor dem furiosen Ende verliert es dabei etwas an Kraft. Eine kleine Straffung der Handlung an dieser Stelle könnte die Spannung noch steigern.

Bis 14.11., 20 Uhr, English Theatre Berlin, Tel.: 306 93 56 92,

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