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Attentat von Brescia bleibt weiter ungesühnt

Gericht in der norditalienischen Stadt sprach alle fünf Angeklagten frei / Bürgermeister: »Ich fühle mich ohnmächtig«

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.
Das faschistische Attentat von 1974 in der norditalienischen Stadt Brescia, bei dem acht Menschen getötet und 102 verletzt wurden, hat weiterhin keinen gerichtskundigen Schuldigen. Nach einem Prozess, der über zwei Jahre dauerte, hat das Schwurgericht von Brescia alle fünf Angeklagten »mangels Beweisen« frei gesprochen.
Brescia: Denkmal für die Opfer des Attentats von 1974
Brescia: Denkmal für die Opfer des Attentats von 1974

»Ich fühle mich ohnmächtig«, erklärte nach der Urteilssprechung der Bürgermeister von Brescia, Adriano Paroli. »Die Stadt wollte zwei Dinge: Wahrheit und Gerechtigkeit, aber beides wurde nicht erreicht. Trotzdem wird die Stadt weiterhin nach der Wahrheit und der Gerechtigkeit suchen.«

Das Attentat von Brescia wurde während einer antifaschistischen Kundgebung verübt und fällt in die Zeit der sogenannten Spannungsstrategie: Verschiedene Kreise der Gesellschaft – in erster Linie die ultrarechten Parteien, Teile der Geheimdienste und des Militärs – wollten in Italien, das damals ein Grenzland zwischen Ost und West war und die stärkste kommunistische Partei Westeuropas hatte, ein Klima von Gewalt und Instabilität schaffen; das hätte zu einem Staatsstreich führen sollen.

Die Attentate jener Zeit forderten viele Opfer, und trotz der zahlreichen Prozesse, die später stattfanden, wurden im besten Fall die Ausführer (immer aus neofaschistischen Organisationen) verurteilt. Die Drahtzieher und die Hintermänner sind bis heute unbekannt und vor allem unbestraft. Dabei ist die Hand von Teilen staatlicher Institutionen und Geheimdienste durchaus sichtbar. Auch im Fall von Brescia, wo gleich nach dem Attentat ein dichtes Netz von falschen Fährten gelegt wurde.

So wurde der Platz, auf dem die Bombe explodierte, gleich nach dem Attentat mit starken chemischen Mitteln gereinigt. Wer das anordnete, ist nicht bekannt. Geheimdienstinformationen verschwanden oder wurden vernichtet, wichtige Zeugen starben unter mysteriösen Umständen oder wurden im Gefängnis ermordet, Untersuchungen, die ins Ausland führten, wurden boykottiert.

Letztlich ist es also nur folgerichtig, dass die Richter in Brescia keine ausreichenden Beweise in der Hand hatten, um die fünf Angeklagten zu verurteilen. Die Neofaschisten Carlo Maria Maggi und Delfo Zorzi, der Geheimdienstmitarbeiter Maurizio Tramonte, der General der Carabinieri Francesco Delfino und der ehemalige Sekretär der neofaschistischen Partei MSI Pino Rauti sind für die Justiz unschuldig.

Möglicherweise könnte die Öffnung der Staatsarchive Aufschluss geben. Aber obwohl ein Gesetz zur Lockerung des Staatsgeheimnisses bereits vor vier Jahren vom Parlament beschlossen wurde, sind immer noch nicht alle bürokratischen Formalitäten erfüllt worden, damit sich die Türen der Panzerschränke tatsächlich öffnen können.

Die Jahre der Spannungsstrategie bleiben in Italien also weiterhin ein weißer Fleck auf der historischen und der politischen Landkarte. Für die Angehörigen der Opfer ist das jedoch ein Schlag ins Gesicht. Paolo Corsini, einst Bürgermeister von Brescia, drückte das so aus: »Dies ist eine nicht wieder gut zu machende Beleidigung für diejenigen, die an jenem Morgen auf der Piazza gefallen sind, und für ihre Angehörigen. Die gesamte Stadt wurde gedemütigt!«

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