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  • Frauen-Geschichte(n)

Julie Bebel

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Wie gut, dass sie sich so viele lange Briefe schrieben. Hätten sie Mails und SMS wechseln können, wäre vieles verloren gegangen. So aber können wir uns ein lebhaftes Bild über ihr Leben, ihre Sorgen und Kämpfe machen. Was August und Julie Bebel schriftlich hinterlassen haben, führt uns in die böse Zeit der Sozialistengesetze Bismarcks, zu Unterdrückung, Verfolgung und Zensur. Wir erfahren nicht nur, wie er, einer der führenden Köpfe der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie, dachte, sondern auch seine Frau; sie starb vor 100 Jahren am 22. November in Zürich. Dort wurden beide begraben.

Kennengelernt hatten sie sich 1863, in Leipzig beim Tanzen. Im Jahr darauf verloben sich die Putzmacherin Julie Otto und der Drechslerbursche. Zwei Jahre später wird geheiratet; da sind ihre Eltern schon gestorben. 44 Jahre währte diese Ehe, bis zu ihrem Tod. Julie wird als hübsch geschildert, als optimistisch, hilfsbereit, bescheiden, mit Humor, Mutterwitz und klarem Blick. Doch beide erleiden harte Zeiten: Zwischen 1872 und 1887 sitzt August Bebel rund fünf Jahre in Haft. Sie bangt um ihn, besucht ihn oft. Und sie führt die Firma Ißleib und Bebel für Drechslereiwaren vorbildlich weiter. Polizeivermerke nennen sie eine »resolute und kluge Frau mit der nötigen Geschäftskenntnis«.

168 Briefe und Fragmente von 1872 bis 1906 sind dank der Bebel-Historikerin Ursula Herrmann vorzüglich ediert. Sie belegen einen oft beschwerlichen, politisch geprägten Alltag, sie klären auch über Emanzipation auf, über Julies Teilhabe am Kampf gegen Monarchie und Konservatives. »Wir gehören nicht uns, sondern der Allgemeinheit«, bemerkt die gewandte Schreiberin über das Leben mit August Bebel, doch sie darf zunächst nicht einmal Mitglied »seiner« Partei sein. Es bleibt jedoch nicht aus, dass sie an der Seite ihres Mannes mehr und mehr »in den Geist der Bewegung eindringt und heute mit ganzer Seele dabei ist«, wie sie an Friedrich Engels schreibt. Sie organisiert Solidaritätstreffen, hilft notleidenden Parteimitgliedern und baut einen Bildungsverein für Frauen auf. Clara Zetkin findet für Julie Bebel dieses Wort: »Sie war eine Genossin seiner Ideale.«

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