Werbung

Herkunft, Zukunft, Ablösung

Grüne Citoyens

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Peter Sloterdijk hat in seinem Essay für den »Spiegel« vor gut zwei Wochen die Reaktion der bürgerlichen Politik auf den Aufstand des Bürgertums treffend als »Bunkerreflex gegen die Störung der Routinen« beschrieben. Diese Reaktion ist aber noch mehr, es ist die Aufkündigung eines jahrzehntealten Pakts zwischen den bürgerlichen Parteien und ihrer Klientel.

Wer sich in den Bunker zurückzieht, tut das, um sich vor den Gefahren der Welt in Sicherheit zu bringen, die er nicht mehr beherrschen kann. Der von Union und FDP gefeierte Sieg bei der Bundestagswahl im letzten Herbst erweist sich knapp ein Jahr danach in Wahrheit als Niederlage. Über den Volksentscheid gegen die Schulreform in Hamburg, den Widerstand gegen den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs bis zum Protest im niedersächsischen Wendland gegen den Castor-Transport zieht sich diese Spur der Ablösung.

Doch es ist keinesfalls ein Aufwachen aus »systemrelevanter Lethargie«, wie Sloterdijk meint, noch sind es die Bürger in ihrer Gänze, die sich widersetzen. Es sind dies vielmehr die von der herkömmlichen Politik, die sich immer nur als Interessenvertretung verstand, emanzipierten Citoyens; Besitzbürger nicht nur im materiellen Sinne, sondern eben auch in jenem, dass sie noch eine Perspektive für sich und die Gesellschaft sehen, in der sie leben.

Die Systemfrage wird nicht gestellt, man fühlt sich nur nicht mehr Wohl in der Gesellschaft derer, die das System mit halsstarrigem Festhalten am Alten, das von ihnen fälschlicherweise als das Bewährte verklärt wird, vor dem Untergang retten wollen. Lethargisch waren diese Bürger nie, sie blieben nur so lang still, solange sie darauf vertrauen konnten, dass die, die von ihnen in politische Ämter gewählt wurden, sich in ihrem Sinne verhalten. Das war die Routine, von der Sloterdijk schreibt, und es war und ist eine wahrlich aktive. Diese Citoyens sind systemrelevant, weil sie der Kitt sind, der die sozialen Klassen dieser Gesellschaft zusammenhält. Wo andere über den Sozialstaat von gestern reden, den es zu retten gilt, wird ihnen aber unwohl, denn auch das ist für sie ein »Bunkerreflex«, ein Festhalten am Alten, Überkommenen. Und sie wissen mittlerweile eine relevante, relative Mehrheit für diese Ansichten hinter sich.

An diesem Wochenende trifft sich ihre neue Partei in Freiburg im Breisgau. Auch das sicherlich kein Zufall. Hier wirkte einst Martin Heidegger und der sagte schon 1953: »Herkunft aber bleibt stets Zukunft«. Ein Satz wie eine politische Grundsatzerklärung für die neuen Wähler der grünen Partei, die immer schon mehr Gefühl als Partei war.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!