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Allianz-versichert ab 50 Rupien

Mikroversicherungen in Asien und Afrika gelten als Wachstumsmarkt

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
In Manila fand dieser Tage der sechste Weltkongress zu »Mikroversicherungen« statt. Zu den großen Spielern im Geschäft mit kleinen Policen gehören auch deutsche Konzerne.

Mikroversicherungen sind ein Wachstumsmarkt. Mehr als 140 Millionen unversicherte Menschen, zumeist in Afrika und Asien, könnten sich heute einen minimalen Versicherungsschutz finanziell leisten. Zu diesem Schluss kamen Experten auf der sechsten »Internationalen Mikroversicherungskonferenz«. Organisiert wurde die Veranstaltung mit rund 500 Fachleuten aus aller Welt vom deutschen Entwicklungshilfeministerium und vom Rückversicherer Munich Re.

Mikroversicherungen für arme Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind der jüngste Spross der Mikrofinanz-Bewegung, die in den 70er Jahren mit Kleinstdarlehen an Frauen in Bangladesch begann. Nach Krediten und Sparprodukten treten nun auch Mini-Policen auf den Plan: Für kleines Geld können sich Arme gegen individuelle Risiken wie Unfall, Krankheit oder Diebstahl absichern. Schwerer kalkulierbar sind für Versicherungsmathematiker kollektive Risiken wie Sturmkatastrophen oder Ernteausfälle. Doch auch für sie gibt es schon Mikro-Produkte zu kaufen. »Noch vor zehn Jahren«, sagt Susan Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), »sah kaum ein Versicherungsunternehmen in den Niedrigeinkommenssegmenten einen profitablen Absatzmarkt.« Das habe sich geändert. Mittlerweile bieten führende Assekuranzkonzerne wie die deutsche Allianz Mini-Verträge in zahlreichen Ländern an. Im Regelfall werden sie von den heimischen Entwicklungsministerien unterstützt.

Der neue Markt trifft auch bei unabhängigen Experten durchaus auf Wohlwollen. Die Nord-Süd-Organisation WEED sieht Mikroversicherungen »insgesamt positiv«. Der entwicklungspolitische Experte der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Jörg Goldberg, lobt sie als »abstrakt sehr wichtige Geschichte«. Sie könnten Kleinbauern und Selbstständigen am Existenzminimum »Kontinuität« im Geschäftsleben sichern. Die ganz Armen würden damit allerdings nicht erreicht, so Goldberg.

Allianz-versichert geht in Indien ab einer Prämie von 35 Rupien (etwa 60 Cent) pro Woche. Über eine Laufzeit von fünf Jahren erhalten Hinterbliebene im Falle eines Unfalltodes 565 Euro ausbezahlt. Für den Vertrieb nutzt die Allianz Akteure vor Ort, in Indien etwa die Bewegung der Milchkooperativen. Mittlerweile gibt der Versicherer die Zahl seiner Mikro-Kunden in Indien, Indonesien, Ägypten und Kamerun mit 3,8 Millionen an.

Die Expansion läuft aber nicht so flott wie geplant. Schon das Konzept einer Versicherung ist den meisten potenziellen Kunden unbekannt. Es muss also erst einmal grundlegend über den Sinn einer Police aufgeklärt werden. Das Entwicklungshilfeministerium sieht Deutschland dabei als Vorreiter. So engagieren sich hier neben der Allianz auch die staatliche KfW-Bank und die weltgrößte Rückversicherung Munich Re, die unter anderem in Kolumbien aktiv ist.

Bei der Allianz ist man auch von der wirtschaftlichen Seite überzeugt. Michael Anthony, Leiter Mikroversicherung, erwartet einen doppelten »Mehrwert«: Mini-Policen böten einen messbaren sozialen Nutzen und seien »für uns wirtschaftlich rentabel«.

Damit rechnet auch DIW-Forscherin Steiner. »Aus Sicht der Versicherungsunternehmen stellen Mikroversicherungen ein milliardenschweres Potenzial riesiger unerschöpfter Märkte dar.«


Lexikon

Unter Mikroversicherung versteht man ein noch relativ junges Finanzprodukt zur Absicherung armer Haushalte vor allem in Entwicklungsländern gegen elementare Risiken. Versicherungskonzernen war dieses Geschäft lange zu margenschwach und zu risikobehaftet, was sich u.a. wegen des Erfolgs von Mikrokrediten mittlerweile geändert hat. Im Angebot sind herkömmliche Lebens- und Krankenversicherungen, aber auch Versicherungen gegen Ernteausfälle und Viehverluste. ND

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