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Von Luxus keine Spur

Anklage gegen Hilfeverein auf wackligen Füßen

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Rechtsanwalt Hubert Dreyling ist ein Mann voller Temperament und für das Gericht ein recht unbequemer Strafverteidiger. Und das zeigt er auch, wenn er es für angemessen hält. Den Prozess gegen seinen Mandanten hält er für einen Skandal erster Güte. »Die Kleinen werden an den Pranger gestellt, die Großen bleiben ungeschoren«, schimpft er. Dreyling vertritt den Vorsitzenden des Frauenhilfevereins Hatun & Can, der des Betrugs in großem Stil angeklagt ist. Der 41-jährige Udo K. soll Spendengelder von rund 690 000 Euro erschlichen und einen Teil, rund 200 000 Euro, für ein Leben in Luxus ausgegeben haben. Unter anderem für einen 62 000 Euro teuren BMW, für Reisen, Schmuck und Mobiliar.

Gestern ging das im Oktober begonnene Verfahren in die fünfte Runde, Zeugen sagten aus, die im Verein aktiv waren. Es sind Mitglieder einer türkischen Familie, die als Fahrer, Berater, Buchhalter oder Schatzmeister ehrenamtlich gearbeitet haben. Sie beschrieben den Angeklagten als Mann, der eigentlich nie Geld gehabt hat, stets Schulden machen musste, um seinen Lebensunterhalt irgendwie zu finanzieren. Seine Wohnung sei ausgesprochen erbärmlich eingerichtet gewesen. Allerdings wussten sie recht wenig über das Geschehen im Verein. Der 60-jährige Jaser Ö., Vater der Familie, beispielsweise ließ sich für die Funktion des 2. Vorsitzenden eintragen, war aber überhaupt nicht in der Lage, eine solche Aufgabe auszufüllen. Die Satzung des Vereins hat er zwar mit unterschieben, doch nie richtig gelesen. Vieles geschah auf Zuruf, ohne preußische Ordnung und exakte Buchhalterei. Somit war Tür und Tor geöffnet für finanzielle Ungereimtheiten.

In der ersten Zeit hätten sie mit ihren eigenen Autos die bedrohten Frauen befördert und nur das Benzingeld erstattet bekommen. Als dann die 500 000-Euro-Spende von Alice Schwarzer eintraf, habe man sich für einen Vereinswagen entschieden, mit dem auch Frauen mit Kindern bequem transportiert werden können. Das sogenannte Luxusauto BMW M6 sei ausschließlich für Vereinszwecke angeschafft und unterwegs gewesen. K. habe das Fahrzeug gar nicht nutzen können, der er keinen Führerschein besitzt.

Kronzeuge der Anklage ist ein Lothar W., der auch für den Verein als Fahrer und Personenschützer gearbeitet hat. Vielleicht sah der nach der großen Spende seine Zeit gekommen, um ein wenig abzukassieren. Er versuchte, Udo K. zu erpressen und drohte mit Gewalt. Als das nicht funktionierte, so ist zu vermuten, brachte er Denunziationsschreiben in den Umlauf, um auch hier abzukassieren. Daraufhin forderte Schwarzer ihre Spende zurück und die Ermittlungen begannen zu rollen.

Lothar W. ist ein höchst fragwürdiger Zeuge. Sein Vorstrafenregister weist zehn Eintragungen auf, so zum Beispiel wegen Vortäuschens einer Straftat, Trunkenheitsfahrt, Betrugs, vorsätzlicher Körperverletzung und Rauschgifthandels. Die ermittelnde Staatsanwältin hätte diesen Mann niemals als Zeugen akzeptieren dürfen, denn er ist kriminell und unglaubwürdig, donnert Dreyling. Man wollte aber wahrscheinlich nicht eingestehen, das bei den Ermittlungen elementare Fehler unterlaufen seien. Der Prozess wird sich bis zum Frühjahr hinziehen.

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