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Ostdeutsche fürchten den Islam

Studie zur religiösen Vielfalt belegt im europäischen Vergleich überdurchschnittliche Ressentiments

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.
Frauenfeindlich, fanatisch und gewaltbereit: Die Europäer haben ein sehr negatives Bild vom Islam. Besonders intolerant sind die Deutschen, wie eine Studie der Universität Münster ergab.
So denken laut der Studie viele Deutsche. ND-
So denken laut der Studie viele Deutsche. ND-

Die Ängste der Deutschen sind groß, vor allem gegenüber dem Islam. Das ergab die bisher größte repräsentative Studie »Religion und Politik« zu religiöser Vielfalt in Europa, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Demnach begegnen Deutsche dem Islam, aber auch anderen nicht-christlichen Religionen mit großem Misstrauen, anders als ihre westeuropäischen Nachbarn. Dabei schneiden besonders die Ostdeutschen schlecht ab.

Während die negative Grundhaltung gegenüber Muslimen nach der Sarrazin-Debatte nicht überrascht, verwundert doch, dass in Deutschland die Meinung gegenüber Juden, Hindus und Buddhisten ebenfalls schlechter ausfällt als in Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Portugal. »Die Studie belegt, dass Deutsche zwar andere Religionen respektieren, ihnen jedoch nicht die gleichen Rechte zugestehen«, erklärte der Leiter der Studie Detlef Pollack. Die Ressentiments gegenüber dem Islam seien im Vergleich zu den anderen Ländern erschreckend, so der Religionssoziologe. »Die Politik sollte diese Stimmung ernst nehmen.«

Den Bau von Moscheen lehnen beispielsweise mehr als 80 Prozent der Menschen im Osten ab (rund 70 Prozent im Westen), die Zustimmung für den Bau von Minaretten fällt sogar noch geringer aus. In Frankreich und in den Niederlanden lehnen nur rund 35 und 33 Prozent der Mehrheitsbevölkerung den Bau eines islamischen Gebetshauses ab, die wenigsten Bedenken haben die Portugiesen mit fast 25 Prozent. Höchstwahrscheinlich hätte Deutschland im Ranking besser abgeschnitten, wenn Länder wie die Schweiz oder Polen in der Erhebung berücksichtigt worden wären. Doch auch ohne jegliche Vergleiche sind die Zahlen besorgniserregend.

Doch die Universität Münster hat für ihre im Sommer durchgeführte Befragung die Länder nicht zufällig gewählt: Deutschland wurde wegen der großen Zahl an Muslimen sowie wegen wachsender Konflikte in den Fokus gerückt. Weil im Osten außerdem weniger Muslime leben als im Westen, hielten die Wissenschaftler eine Unterteilung zusätzlich für sinnvoll. Frankreich mit seinen Banlieues und dem kürzlich durchgebrachten Burka-Verbot war für die Studie von Interesse. Die Sympathien für den Rechtspopulisten Geert Wilders sowie die Ermordung des Islamkritikers Theo van Gogh sprachen für die Berücksichtigung der Niederlande. Dänemark wurde wegen des Karikaturenstreits um den muslimischen Propheten Mohammed gewählt. Und schließlich wurde Portugal, wo die religiöse Vielfalt am geringsten ist, als »Kontrast« hinzugezogen. In allen Ländern wurden 1000 Staatsbürger befragt.

Nicht in sämtlichen Punkten unterscheiden sich die Deutschen von ihren europäischen Nachbarn. Mehr als 80 Prozent sind in allen fünf Ländern der Meinung, dass »sich Muslime besser an ›unsere‹ Kultur anpassen müssen« und dass das Christentum das Fundament der eigenen Kultur sei. Hier fällt der Anteil im Osten Deutschlands geringer aus. Auch das Bild, das die Länder vom Islam haben, ist negativ. So assoziieren rund 80 Prozent aller Nationen mit dem Stichwort Islam eine Benachteiligung der Frau. Etwa 70 Prozent verbinden Islam mit Fanatismus, gefolgt von Gewaltbereitschaft und Engstirnigkeit. Eine Ausnahme stellt nur Frankreich dar, hier fällt die Kritik etwas geringer aus.

Unterschiede werden hingegen wieder deutlicher, wenn es darum geht, dem Islam positive Eigenschaften zuzuschreiben. Weniger als fünf Prozent der Deutschen verbinden mit dem Islam Toleranz und Friedfertigkeit. In Dänemark, Frankreich und den Niederlanden sind es immerhin 20 Prozent. Um so positiver bewerten die Deutschen dafür das Christentum.

Zu wenig Kontakt zu Muslimen sei ein Grund für die negativen Zahlen im Osten, so die Wissenschaftler. Eine Ursache, die bei Portugiesen scheinbar keine Rolle spielt. Soziologe Pollack: »Es kann sein, dass in Deutschland eine negative Grundhaltung gegenüber ›Andersartigkeit‹ tief verwurzelt ist. Außerdem hat die Integrationsdebatte hier spät angefangen. Den Gründen müsste man in einer gesonderten Studie nachgehen.«

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