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Großes Staunen über die FIFA

Weltweit Kritik an Vergabe der Fußball-WM

  • Von Ralph Durry und
  • Lesedauer: 3 Min.

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Marc Schmidt, SID

Entrüstung, Unverständnis und beißende Kritik: Der Fußball-Weltverband FIFA und sein Präsident Joseph Blatter haben sich durch die Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland, aber vor allem 2022 an den kleinen Wüstenstaat Katar ins Abseits manövriert. »Ich denke, es war die falsche Entscheidung«, sagte US-Präsident Barack Obama zum 14:8-Votum zugunsten Katars im Duell gegen die USA im entscheidenden vierten Wahlgang für die WM 2022.

Und auch die internationale Presse war alles andere als angetan vom Votum des 22-köpfigen FIFA-Exekutivkomitees, darunter Franz Beckenbauer. »Das Erdöl nimmt die Weltmeisterschaften mit«, titelte AS im unterlegenen Spanien. Und El Mundo Deportivo kommentierte sibyllinisch: »Russland und Katar haben viel Geld investiert.« Im italienischen Corriere della Sera hieß es: »WM der Reichen.« Das norwegische Dagbladet sieht WM-Gastgeber Katar als »größten Fußballwitz aller Zeiten«.

Die britische Times urteilte nach dem Scheitern der englischen Bewerbung in Runde eins für 2018 (zwei Stimmen) knallhart: »Der Vergabeprozess ist ein schwarzes Loch aus Hinterzimmer-Machenschaften und politischem Eigeninteresse. Diese Vergabe ist zur Peinlichkeit für einen internationalen Sportverband verkommen.« Der Daily Telegraph schrieb nach der Doppelvergabe von einem »Weltuntergangsszenarium« und führte als Quelle für das Zitat »gestandene FIFA-Funktionäre« an.

Auch Franz Beckenbauer wirkte nicht gerade glücklich, als er kommentarlos das Messezentrum in Zürich verließ. Vielleicht dürfte er froh sein, dass er ab März 2011 nicht mehr der »Regierung« des Weltfußballs angehört. Begeisterung war Beckenbauer jedenfalls nicht anzusehen. »Ich finde die Stimmung im Land der WM auch sehr wichtig. Insofern betrachte ich Katar nicht als optimale Lösung«, urteilte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff.

Es droht auch ein juristisches Nachspiel. »In den FIFA-Statuten ist eindeutig festgehalten, dass das Exekutiv-Komitee aus 24 Mitgliedern besteht. Scheidet ein Mitglied aus, muss es unverzüglich ersetzt werden. Das kann man so verstehen, dass zumindest 24 Mitglieder eingeladen werden müssen, damit die Wahl gültig ist. Sollte der Internationale Sportgerichtshof CAS zu der selben Ansicht kommen, müsste die Wahl wiederholt werden«, sagte Sportrechtler Nicolas Rößler. Wegen der Sperre der Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Haiti) und Amos Adamu (Nigeria) standen bei der Wahl aber nur 22 Wahlberechtigte zur Verfügung.

Es herrscht Konfliktpotenzial. Joseph Blatters angestrebte vierte Amtszeit bei der Wahl im Sommer 2011 dürfte zwar nicht gefährdet sein, aber er muss verstärkt mit Gegenwind rechnen. Vielleicht kommt es dann sogar zur Koalition der Verlierer der WM-Rennen 2018 und 2022.

Resultate der Abstimmungen

13 Stimmen waren notwendig. Nach jedem Wahlgang flog der Letzte raus.

2018
1. Wahlgang: Russland 9 Stimmen, Spanien/Portugal 7, Niederlande/Belgien 4, England 2.
2. Wahlgang: Russland 13, Spanien/Portugal 7, Niederlande/Belgien 2.

2022
1. Wahlgang: Katar 11, Südkorea 4, USA 3, Japan 3, Australien 1.
2. Wahlgang: Katar 10, USA 5, Südkorea 5, Japan 2.
3. Wahlgang: Katar 11, USA 6, Südkorea 5.
4. Wahlgang: Katar 14, USA 8.

dpa/ND

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