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Von der Dampflok zum ICE

Heute vor 175 Jahren fuhr die erste Eisenbahn in Deutschland

Nürnberg feiert heute das 175-jährige Eisenbahnjubiläum mit einem großen Fest. Schienenfahrzeuge gab es in Deutschland jedoch schon im späten Mittelalter. Sie dienten hauptsächlich dem Transport schwerer Lasten im Bergbau und wurden von Menschen oder Pferden bewegt. Auf die Idee, eine Dampfmaschine auf Schienen fahren zu lassen, kamen zuerst englische Ingenieure im 19. Jahrhundert: Am 27. September 1825 zog eine von George Stephenson konstruierte Dampflokomotive 36 Wagen mit Gütern und Passagieren von Brusselton nach Darlington. Die Fahrt ging über neun Meilen und dauerte zwei Stunden.

Etwa zehn Jahre später, am 7. Dezember 1835, fuhr in Deutschland die erste dampfbetriebene Eisenbahn auf der sechs Kilometer langen Strecke von Nürnberg nach Fürth. Angetrieben wurde sie von der Lokomotive »Adler«, die im englischen Newcastle gebaut worden war. Die Entwicklung der Eisenbahn stellte fortan den wichtigsten Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland dar. Und sie erhöhte die Mobilität vieler, auch wenig begüterter Menschen. Bereits 1839 wurde die erste Fernstrecke zwischen Dresden und Leipzig eröffnet, deren Bau es erforderlich machte, bei Oberau im heutigen Landkreis Meißen den ersten Eisenbahntunnel auf dem europäischen Festland zu bohren. Heute erinnert ein Obelisk an diesen Meilenstein deutscher Technikgeschichte.

Und obwohl die Eisenbahn seinerzeit kaum schneller als 35 Stundenkilometer (km/h) fuhr, warnten Ärzte, dass ein solches »Höllentempo« zu Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und Gallenleiden führen könne. Doch der Siegeszug der neuen Technik war nicht aufzuhalten. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat die Elektrolokomotive in Konkurrenz zur Dampflok. Auf der Militärversuchsstrecke zwischen Marienfelde und Zossen erreichte ein Triebfahrzeug mit Drehstromtechnik im Jahr 1903 eine Geschwindigkeit von 210 km/h. Der Weltrekord auf einer normalen Strecke lag damals immerhin schon bei 154 km/h.

1912 wurde von der Berliner Firma Borsig die erste Diesellokomotive gebaut und wenig später von der Preußischen Staatsbahn in Betrieb genommen. Gleichwohl konnte die alte Dampflok ihre Dominanz im Bahnbetrieb bis Mitte des 20. Jahrhunderts behaupten.

Zwischendurch wurde die Dampflokomotive allerdings zum Symbol der Barbarei. Denn für viele Opfer der Nazis stand sie keineswegs in erster Linie für technischen Fortschritt, sondern vielmehr für die massenhaften Deportationen in die Vernichtungslager durch die Deutsche Reichsbahn. Diese Zeit war zweifellos das dunkelste Kapitel in der deutschen Eisenbahngeschichte.

1977 absolvierten die Dampflokomotiven in der BRD und 1988 in der DDR ihre jeweils letzte planmäßige Fahrt.

In den 60er Jahren begann die systematische Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen. Die erste Strecke dafür wurde 1964 in Japan in Betrieb genommen. Die Reisegeschwindigkeit zwischen Tokio und Osaka betrug rund 200 km/h. Noch schneller war ab 1981 der französische »TGV« (Train à grande vitesse) auf der Strecke zwischen Paris und Lyon. 1985 entwickelte auch die Bundesrepublik mit dem »InterCityExperimental« (ICE/V) einen Hochgeschwindigkeitszug, der fast 407 km/h erreichte. Dass Rad-Schienen-Fahrzeuge aber weitaus schneller fahren können, zeigte 2007 ein speziell konstruierter TGV, der seitdem mit 574,8 km/h den Weltrekord hält.

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