Werbung

Bradley Manning drohen 52 Jahre Haft

Friedensbewegung in den USA kämpft für Freiheit des Wikileaks-Informanten

  • Von Michael Schulze von Glaßer
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Seit fast 200 Tagen sitzt der Obergefreite Bradley Manning in Quantico im US-Bundesstaat Virginia in Militärhaft. Dem Nachrichtenspezialisten der US-Armee wird vorgeworfen, Informationen an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. Weil ihm 52 Jahre Haft wegen Geheimnisverrats drohen, macht sich die Friedensbewegung für seine Freilassung stark.

92 000 Feldberichte zum Afghanistan-Krieg, knapp 40 0000 Dokumente über den Irak-Krieg und auch die jüngst veröffentlichten diplomatischen Depeschen soll Bradley Manning an Wikileaks weitergegeben haben. So wie jenes Video, in dem der tödliche Beschuss von Zivilisten und Kindern durch einen US-Kampfhubschrauber in Irak zu sehen ist. Militärpolizei nahm den Obergefreiten bereits am 26. Mai fest. Auf ihn warten ein Prozess und bis zu 52 Jahre Haft. Auf Gnade kann der 22-Jährige kaum hoffen. Zwar sprach US-Präsident Obama im Wahlkampf 2008 noch davon, dass Informanten gesund für die Demokratie seien und besser vor Repressalien geschützt werden müssten. Doch inzwischen bemängeln politische Aktivisten, dass die staatliche Repression unter Obama noch schlimmer als unter der Bush-Administration sei. Einige Politiker fordern für Manning, wie für Wikileaks-Gründer Julian Assange, gar die Todesstrafe.

Doch es gibt auch immer mehr Menschen, die sich für den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten einsetzen. US-Friedensaktivisten haben bereits im Juni ein »Bradley Manning Support Network« gegründet und organisieren unter dem Motto »Free Bradley Manning – Whistleblowing is Not a Crime« landesweite Aktionen. In 20 Städten der USA, darunter San Francisco und Seattle, aber auch im kanadischen Toronto fanden Protestaktionen statt. Über 1000 Spenden für die Verteidigung Mannings in Höhe von etwa 80 000 US-Dollar sollen beim Netzwerk eingegangen sein, weitere Gelder flossen auf ein Treuhandkonto. Mit dem Geld sollen u. a. ein Fachmann für Informationssicherheit, ein Experte für Strafrecht und ein Psychiater – Manning soll suizidgefährdet sein – bestellt und die Verteidigung organisiert werden. »Für Bradley Manning sind Unterstützer, die ihm den Rücken stärken, sehr wichtig«, betont Netzwerksprecher Jeff Paterson. Deshalb sammeln die Aktivisten neben Geld auch Unterschriften über das Internet (www.bradleymanning.org und www.standwithbrad.org.) Voraussichtlich im April 2011 wird sich Manning vor einem US-amerikanischen Kriegsgericht verantworten müssen.

Doch nicht nur ihm droht Ärger. Auch gegen seine Unterstützer geht die US-Regierung mit aller Härte vor. Anfang November wurde ein Computer-Forensiker vom FBI festgenommen. Es gab landesweite Razzien gegen Aktivisten – man warf ihnen Unterstützung terroristischer Gruppen aus dem Ausland vor. Das Netzwerk beobachtet die zunehmende Repression mit Sorge und sieht das Recht auf freie Meinungsäußerung gefährdet. Daher hoffen die Aktivisten auf Unterstützung aus anderen Ländern. »Es wäre großartig, wenn auch Menschen aus Deutschland für die Freilassung Mannings online unterschreiben und spenden würden«, so Paterson. Dem stimmt Monty Schädel von der »Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen«, zu: »Jede Aktion gegen Krieg ist zu fördern.« Dazu gehörten auch Informationen, die die Grausamkeit von Militäreinsätzen publik machen. Seite 7

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!