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Mit Gott und Regierung gegen den Castor

3000 Atomkraftgegner läuteten am Samstag die Proteste gegen den Castortransport nach Lubmin ein

  • Von Velten Schäfer, Greifswald
  • Lesedauer: 2 Min.
Greifswald wartet auf den Atomtransport nach Lubmin – und die CDU-SPD-Koalition in Schwerin demonstriert auch an seinem Beispiel ihren schleichenden Verfall.
Gut gelaunt starteten diese Greifswalderinnen in die Proteste.
Gut gelaunt starteten diese Greifswalderinnen in die Proteste.

In Greifswald hat mit einem als »Großdemonstration« angekündigten Protestmarsch rund um die Innenstadt am Samstag die Protestwoche gegen den Atommülltransport nach Lubmin begonnen. An der Demonstration, die bei Kälte und Regen laut Polizei 2000 und laut Veranstaltern 3500 Atomkraftgegner auf die Straße brachte, beteiligte sich auch Schweriner Politprominenz. Wie angekündigt war sogar Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) erschienen: »Ich möchte, dass der Atommüll woanders hinkommt. Ich sehe die große Gefahr, dass Lubmin immer mehr zur atomaren Müllhalde verkommt«, so der Regierungschef am Rande der Demonstration.

Die im Vorfeld erhobene Forderung von Linkspartei-Fraktionschef Helmut Holter, das Land solle sich der Klage anschließen, die mehrere Bundesländer gegen die schwarz-gelbe Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke anstrengen, wies Sellering vielsagend zurück: Die Schweriner Koalition aus SPD und CDU sei sich »nicht einig«, so der Regierungschef.

Vincent Kokert, Generalsekretär der Nordost-CDU, erneuerte denn auch seine Kritik an Sellerings Auftritt auf der Demonstration: Der Ministerpräsident habe »die Sicherheit nicht unbedingt erhöht« – während CDU-Innenminister Lorenz Caffier während der Demonstration durch einen Besuch im Einsatzzentrum der Polizei Verantwortung gezeigt habe. Auch die LINKE hatte hochrangige Vertreter aufgeboten, zum Beispiel den Landeschef Steffen Bockhahn.

Weiteren Rückhalt versprach der evangelische Landesbischof Wolfgang Abromeit den Atomkraftgegnern. Abromeit forderte »mehr Moral, mehr Ethik« bei der Produktion von Energie und begründete dies mit einer »Fürsorgepflicht«, die Gott den Menschen für die Schöpfung auferlege: »Die Laufzeitverlängerung muss zurückgenommen werden. Sie ist auch ökonomisch nicht sinnvoll«, so der Oberhirte. Abromeit versprach zudem, dass Greifswalds Kirchen und Gemeindehäuser in den nächsten Tagen für frierende Atomkraftgegner offen stünden.

Auch Nadja Tegtmeier vom »Anti-Atom-Bündnis Nordost«, das die Proteste in Greifswald koordiniert, forderte den »sofortigen Ausstieg aus dieser rückwärtsgewandten, todbringenden Technologie« und eine nachhaltige Energiepolitik, die sich auf »dezentrale Kleinkraftwerke mit effektiver Kraft-Wärme-Kopplung« stützen müsse. Die Sprecherin des Bündnisses wies besonders auf eine zentrale Schwäche des »Zwischenlagers Nord« hin: »Wenn ein Castor tatsächlich Leck ist, gibt es in Lubmin keine heiße Zelle, um das zu reparieren«, sagte sie. Später assistierte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter, der von seinem Ingenieurstudium in Rostock erzählte: »Eins habe ich dabei gelernt: Jede Konstruktion geht irgendwann kaputt.«

Die Demo am Samstag verlief ohne Zwischenfälle.

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